Op 27 november 2000 zond Johan van Veen in de nieuwsgroep nl.muziek.klassiek onderstaande bespreking in van de uitvoeringen door Pieter Jan Leusink van de cantates van Bach, zoals die zijn uitgebracht in de Bach serie van Brilliant Classics. Met zijn toestemming neem ik deze bespreking hier over. De recensie is geschreven voor het tijdschrift Alte Musik Aktuell (Regensburg), en dus in het Duits.
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Bach: Sämtliche geistliche Kantaten. Ruth Holton, Marjon Strijk (Sopran), Sytse Buwalda (Altus), Marcel Beekman, Nico van der Meel, Knut Schoch (Tenor), Bas Ramselaar (Baß), Holland Boys Choir, Netherlands Bach Collegium, Leitung: Pieter Jan Leusink Brilliant Classics - CD: 99363, 99364, 99367, 99368, 99370, 99371, 99373, 99374, 99377, 99378, 99378, 99380 (60 CDs in 12 Folgen) (1999/2000) |
Brilliant Classics (oder Joan Records) bringt regelmäßig
CDs mit klassischer Musik auf den Markt zu unglaublich niedrigen Preisen. Es sind manchmal
Aufnahmen, die man von anderen Plattenfirmen in Lizenz übernommen hat, in zunehmendem
Maße aber auch Neuaufnahmen. Zu diesen zählt auch die Gesamteinspielung der geistlichen
Kantaten von Bach, die Teil einer Bach-Edition sind. Diese Aufnahmen wurden innerhalb 12
Monaten realisiert, und das ist wohl eine rekortverdächtige Leistung. |
Zuerst aber die Fakten: der Holland Boys Choir ist ein Knabenchor, der sich in den letzten Jahren zum besten Knabenchor der Niederlande entwickelt hat. Der Chor ist nach englischen Vorbildern modelliert, und die Altpartien werden von Falsettisten gesungen. Das Netherlands Bach Collegium wurde für diese Aufnahme gegründet und spielt auf Barockinstrumenten. Die Mitglieder spielen häufig in renommierten niederländischen und internationalen Barockensembles. Die Solisten sind eine Mischung aus erfahrenen Leuten (vor allem Ruth Holton, aber auch Sytse Buwalda und Nico van der Meel, obwohl sie im Ausland vielleicht nicht so bekannt sind) und Sängern, die mehr oder weniger noch am Anfang ihrer Karriere stehen: Marjon Strijk, Marcel Beekman, Knut Schoch und Bas Ramselaar. |
Auf Papier sieht das gar nicht schlecht aus. Ich bin auch der Überzeugung, daß das Endergebnis viel besser hätte sein können, wenn man sich mehr Zeit genommen hätte. Aber viele technischen Schwächen sind unkorrigiert geblieben. Fehler, wie eine unklare Diktion oder eine schlechte deutsche Aussprache (Ruth Holton), hätten vermieden werden können. Und welchen Sinn macht es, "authentische" Instrumente zu benutzen, wenn man nicht auch eine "authentische" Notenausgabe verwendet? Man hatte oft nicht einmal die Neue Bach-Ausgabe dabei. Man hat die Ausgaben benutzt, die Spieler und Sänger schon im Schrank hatten. Schon wer nur den Text verfolgt, wird mehrmals Unterschiede zum Text der NBA feststellen. Meiner Meinung nach ist das unakzeptabel. |
Was sich mit mehr Zeit aber nicht korrigieren läßt, ist
ein Mangel an interpretatorischer Einsicht. Ich habe nicht die geringste Ahnung, welches
Konzept der Dirigent hier verfolgt hat. Vielleicht hat er gar keines. Natürlich sind auch
Dinge gut gelungen: es gibt Eingangschöre und Arien, die durchaus schön sind und den
Inhalt überzeugend zum Ausdruck bringen. Aber das scheint oft mehr Zufall als Absicht zu
sein, denn bei vielen Gelegenheiten geht die Interpretation voll daneben. |
Es liegt auf der Hand diese Aufnahme mit der Einspielung
von Harnoncourt und Leonhardt auf Teldec zu vergleichen. Die Teldec-Aufnahme hat ein
klares Konzept: "Musik als Klangrede". Dazu treten in der Regel erstklassige
Sänger und Spieler. Vor allem der Tölzer Knabenchor und der Knabenchor Hannover sind
technisch und stilistisch viel besser in der Lage Bach zu singen als der Holland Boys
Choir. Die meisten Knabensolisten sind in der Interpretation, und oft auch technisch, den
Sopranistinnen von Leusink haushoch überlegen. |
Diese Ausgabe ist sehr billig. Vielleicht kann jemand, der die Kantaten von Bach nicht kennt, daran seine Freude finden und kann sie ihm weiterführen auf dem Weg zu Bach. Das wäre dann jedenfalls etwas. Aber sonst? Was ist auf lange Sicht billig, wenn man nach ein- oder zweimal diese CDs nie mehr aus dem Schrank nimmt? Wäre es dann nicht besser, etwas mehr Geld auszugeben und sich eine Aufnahme zu kaufen, die auch nach Jahren noch hörenswert ist? |
Johan van Veen |
| 2009 |