This is not the original article. The original was once on the web, but for some reason taken off. Because I believe that any article about cycling in Iceland is worthwhile, I saved a copy and publish a slightly edited version here. If you are the owner and don't want this then please contact me. I will remove it right away.
  • Author : Frank Wiedekamm
  • Original URL : http://www.netit.de/aj/berichte/europa/island/island.htm
  • Available at www.archive.org : Yes


Islandtour mit dem Fahrrad (1993)




Samstag, 3.7.

Am Samstag brach ich am frühen Mittag auf, das Fahrrad war gepackt, das Wetter war gut; durch leicht schiebenden Seitenwind die insgesamt 126 Kilometer zu fahren, machte nicht allzuviel Aufwand, selbst wenn ich bedenke, das ich vor der Reise nicht mehr viel in Bremen gefahren war, vielleicht mal achzig Kilometer. So erreichte ich Dirk, meinen Reisebegleiter aus Harburg, nach etwa acht Stunden in den Abendstunden. Wir packten alle Packtaschen zusammen, d.h. wir banden unsere Fahrradpacktaschen zusammen, so daß sie ein Bündel bildeten. An den Fahrrädern demontierten wir alles, was hinderlich für die Verladung gewesen wäre, wie etwa die Pedale. Die Lenker wurden versenkt und zur Fahrtrichtung gedreht. Empfehlenswert wäre es allerdings gewesen, auch diese dünnen Kabel vom Tacho zu entfernen, denn in Keflavik stellten wir am nächsten Abend fest, daß meines zerrissen war, trotz sorgsamer Verlegungsarbeit. Wir gingen zeitig schlafen.

Sonntag, 4.7.

Am Abend fuhren wir gegen sechs Uhr mit zwei Fahrzeugen quer durch Hamburg zum Flughafen Fuhlsbüttel, wo unser Abflug für 21.15 vorgesehen war. Wir gaben alle unsere Gepäckstücke auf, inclusive der Fahrräder, die als Freigepäck mitfuhren. Dreißig Kilogramm mit allen Packtaschen sind an sich gut zu realisieren. Der Flieger der Icelandair landete um 22.30 auf dem Flughafen von Keflavik, aber nicht ohne ein neues Gefühl bei mir hinterlassen zu haben: Das erste mal in meinem Leben war ich geflogen, was für ein Gefühl -was für eine Sicht aus der Vogelperspektive...Zwei Jungen aus dem Schwäbischen kamen mit uns am Flughafen an. Sie waren uns schon in Hamburg aufgefallen: Ihr "Handgepäck" bestand aus einem Ortlieb Kleidersack -dem größten natürlich. Sie schauten relativ beängstigt zur Gepäckausgabe, den Grund bekamen wir dann auch zu sehen: Sie wollten die Insel mit ihren nagelneuen Mountainbikes umrunden. Aber wie sahen die Räder aus! Jede Stelle am Fahrrad war dick gepolstert. Als sie allen Verpackungsmüll von den Fahrrädern entfernt hatten, gab es nicht einen der zahlreichen Abfallbehälter, der nicht gefüllt gewesen wäre. Ich fragte nur, warum sie denn nicht die Originalkartons verwendet hätten. Die, so sagten sie mir, hätten sie weggeworfen, als sie die Räder bekommen haben. Tja, was soll man dazu sagen... Am Abend regnete es, aber durch einen geschäftstüchtigen Isländer, der jedem vermeintlichen Camper eine Visitenkarte seines nahegelegenen Campingplatzes in die Hand drückte, waren bald die Zelte aufgebaut. Trocken und warm im Zelt. Die Hi-Tech Kids, wie wir sie getauft hatten, waren am fluchen über das Wetter, am nächsten Morgen konnten wir sie beobachten, wie sie alle Spuren des Regens an ihren Fahrrädern entfernten...Der Campingplatz besaß einen Aufenthaltsraum, in dem wir die ersten Gespräche mit anderen Urlaubern aufnahmen. Dabei kristallisierten sich einige Dinge heraus. Ein Duisburger teilte uns mit, daß wir zunächst nicht nach Reykjavik fahren sollten, also nach Nordost, sondern nach Süden, die Küste sei sehr sehenswert, was sich dann auch bewahrheitete. Allerdings gab er uns auch zu verstehen, daß die Straßen abseits der Ringstraße, der Nummer eins, extrem schlecht seien. "So eine beschissene Straße habe ich auf Island bisher noch kein zweites mal gesehen." Was er damit meinte, konnten wir uns natürlich noch nicht vorstellen. Es gesellte sich ein Italiener namens Max zu uns, er wollte Anschluß finden, und war bisher ein wenig orientierungslos durch die Gegend gefahren. Ein paar Tage fuhren wir zusammen... Die Nacht war erholsam.

Montag, 5.7.

Die Nacht hindurch hatte es geregnet, es wurde etwas trockener. Das war allerdings nicht das Problem, der Wind blies uns den ganzen Tag ins Gesicht. In einer unangenehmen Stärke. Dazu gesellten sich weitere, recht unangenehme Dinge. Die Piste, ich nenne sie bewußt Piste, stellte das schlimmste dar, was ich jemals befuhr. Zu dem ausgeprägtem Wellblechcharakter gesellte sich eine sehr schmierige Oberfläche, ausgelöst durch den Regen. Trotz eines sehr grobstolligen Profiles war ich manchmal nicht in Lage, daß Fahrrad auf Kurs zu halten, der Wind schob das Fahrrad einfach quer unter mirweg, wenn er denn mal nur von der Seite kam. Steigungen wurden um ein vielfaches schwieriger zu fahren, bei der Untersetzung von 28 Zähnen vorne zu 34 Zähnen hinten gab es ein durchrutschendes Hinterrad. Tretenergie ade... Diese argen Verhältnisse sind allerdings selten vorgekommen, meist war es die fünf Wochen unseres Aufenthaltes trocken geblieben. Es zeichnete sich aber noch etwas anderes ab: Max, der uns begleitete, war uns immer voraus. Sein komplettes Gefährt samt Gepäck wog soviel wie mein Fahrrad ohne all meine Taschen. Vielleicht achzehn Kilogramm. Wir trennten uns am dritten Tag, da wir uns praktisch nur behinderten. Dirk und ich wollten einen Fototripunternehmen, Max dagegen nur fahren, und zwar so zügig wie möglich. Man sollte nie probieren, zwei so verschiedene Dinge unter einen Hut zu bringen - meist endet es im Streit- den wir aber nicht bekamen.Wir erreichten die blaue Lagune, Eintritt dreihundert Kronen. Das sind fast acht Mark. Wir trafen an der Lagune auch auf die beiden Hi-Tech Kids, denen die Realitäten bewußt wurden. Sie wollten die Insel nicht nur umrunden, sondern auch mindestens eine Hochlandetappe fahren, am liebsten durch die Sprengisandurwüste. Sie verdient ihren Namen zu recht: Vier Tage keine Einkaufsmöglichkeiten, die Landschaft monumental monoton: Kaum pflanzliches Leben, viel Vulkangeröll. Die absolute Stille innehabend, eingeschlossener Raum, der nur für wenige Wochen im Jahr entdeckbar wird. Meistens motorisiert, denn einige Wasserläufe sind zu queren. Was zumindestens manchmal bedeutet: Fahrrad abpacken, in mehreren Gängen durcheiskaltes Gletscherwasser. Es belebt den Kreislauf ungemein, ist allerdings bei feuchter, kalter Witterung nicht sehr angenehm. Die beiden begannen allmählich, von ihren Planungen abzugehen. Der Traum vom nagelneu wirkenden Trek-Mountainbike war allerdings schon ausgeträumt durch einen Steinschlag am Rahmen. Bei der herrschenden Wetterlage ein Ding von vielleicht drei Tagen, bis der erste Rost kam -auch bei mir.Wir haben uns unweit der Lagune ein friedliches Plätzchen ergattert, von wo aus wir den ausströmenden Dampf hörten, der aus einem Rohr nahe der Lagune austrat.

Dienstag, 6.7.

Heute stand Baden auf unserem Programm, und das ausgiebig. Die Außentemperatur betrug vielleicht fünf Grad in den Morgenstunden, daß machte das Bad zu einem Vergnügen. Zum Teil völlig lethargisch lagen wir in dem Wasser, das durchsetzt mit den diversen Salzen heilkräftige Wirkung besitzt. Alle Dinge im und am Wasser fielen durch eine dicke, aber glatte Salzschicht auf. Monströs wirkte das Kraftwerk am Ende der Lagune; durch den Dampf nur Konturen abzeichnend, wirkte es fast bedrohlich. Der graue Himmel, aus dem Nieselregen herabfiel, tat ein übriges, die Wirkung zu verstärken.Die nächste Unternehmung des Tages bestand darin, auf einen 385 Meter hohen erloschenen Vulkan zu steigen, an dem sich viele Formen des Erstbewuchses zeigten. Wir fanden aber nicht nur Natur, sondern auch die Spuren der Touristen, die es nicht so genau nahmen mit der Sitte, allen Abfall wieder zu entfernen. Verstreut liegende Abfälle taten dies kund. Unangenehm, mit solchen Menschen pauschalisierend verglichen zu werden von den Einheimischen, die die Touristenströme mit wachsender Argwohn betrachten. Ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, wann freies Zelten generell verboten wird, wie es in allen Naturparks bereits der Fall ist. Die Eindrücke sind zum Teil enorm. So finden sich Lavafelder, auf denen poröses Material liegt. Das ist vom Volumen her riesig, aber es wiegt nicht viel. Es ist überwuchert von dickem, trockenem Moos, welches selbst dann noch oberflächlich trocken bleibt, wenn es stark geregnet hat. Durch die Dicke wird alles aufgesogen, man sitzt trocken auf ihm. Wir gingen zeitig schlafen.

Mittwoch, 7.7.

Das Wetter wurde besser. Öfter riß die Wolkendecke auf, und gab ihr Licht direkt auf die Landschaften. Ein Licht, welches manchesmal unbeschreiblich schön die Landschaften beleuchtete. Mit Adjektiven war dieses Leuchten oft nicht zu beschreiben. Trotz aller Unbill: Wenn mich jemand am Mittwochabend gefragt hätte, ob ich noch gedenke, weiter zu fahren, so hätte ich ihm geantwortet: Es ist zwar kalt, aber die Piste morgen will ich fahren.

Donnerstag, 8.7.

Am Morgen, es war gegen acht Uhr, war es überwiegend trocken und sonnig, zum Teil mit einigen Wolken. Die Nacht war erholsam, und so freute ich mich über den bevorstehenden Trip. Die Sturmvögel veranstalteten ihr alltägliches Geschnattere, was mich allerdings nicht im geringsten störte. Im Gegenteil. An welch einem Platz in dieser zersiedelten Welt kann man noch ein so unbefangenes Tun beobachten, oder wie in meinem Falle hören? Die Vögel, nähert man sich den Nestern zu weit, greifen einen auch schon mal aus der Luft an. Sie verteidigen ihre Brut sehr wehrhaft. Ich baute mein Zelt ab. Wir bestiegen einen erloschenen Vulkan, in dessen Mitte sich ein See fand. Das Wasser schimmerte grünlich-türkis. Wir hielten uns eine geraume Zeit an diesem See auf, und waren tief beeindruckt von seiner ursprünglichen Schönheit. Die göttliche Atmosphäre wurde nur zeitweise gestört von Touristen aus diversen Ländern, die alles neugierig beäfften. Touristen vom Schlage der "Reiskultur": Der Reissack platzt auf (der Bus öffnet die Türen) und alles strömt zum touristisch interessanten Punkt (die Reiskörner strömen aus dem geplatzten Sack). Anschließend das Summen der Transportmotore der Autofokuskameras. In Pömps und Hawaii-Shorts viele der Erlebnishungrigen. Dann hektisches zurück zum Bus. Denn der wartet nicht auf Zuspätgekommene. Einige bekamen zu spüren, was es heißt, mit falschen Schuhen auf einen Krater zu steigen. Au! der Kommentar zum umgeknickten Fuß. Der Wind nervte mich enorm als wir weiterfuhren - immanent blies er von vorne. Wir waren gezwungen, den ersten Gang einzulegen, und das bei einer Übersetzung von 28 vorne zu 34 Zähnen hinten...Wir fuhren den ganzen Tag gegen den Wind an. Am Abend war ich tot, und sann in der allgemeinen Hütte für alle über den Tag nach. Wir hatten den Campingplatz von Selfoss erreicht. Einige Notizen machte ich noch. Unter anderem passierte es mal wieder, daß der Hinterradmantel zerschlug. Die Karkasse, wenige Tage alt, mußte den auftretenden Kräften nachgeben. Meine Warnung deshalb an alle, die ein so schlechtes Wegenetz vom Anfang bis zum Ende der Reise nutzen müssen, um vorwärts zu kommen: Niemals eine schmale Felge in Kombination mit einem breiten Reifen. In meinem speziellen Fall war die Sache die, dass ich eine 20mm Felge mit einem 2,125 Zoll breitem Mantel versah. Man stanzt den Mantel förmlich, wenn der Wellblechcharakter mit dem Gesamtgewicht des Fahrzeuges eine unheilige Allianz eingeht. Insbesondere bei anscheinend harmlosen Abfahrten, die wohl jeden Radler reizen, sie mit Höchstgeschwindigkeit zu "nehmen", besteht die große Gefahr, bei einem plötzlichen Oberflächenwechsel eine Explosion hervorrufen zu können. Die durch die hochgeschraubte Geschwindigkeit angesammelte Energie wird durch die Knautschung an den Boden weitergegeben, man wird langsamer. Wenn man dabei dann auch noch den Reifendruck falsch eingestellt hat, sind schwere Stürze die Folge. Wie ein Punchingball reagiert der Reifen dann. Dirk war auch einmal Kandidat, kam aber mit einem blauen Auge davon. Warnen kann ich persönlich auch nur davor, Hochgeschwindigkeitstests durchzuführen. Durch das sich ständig ändernde Gesamtgewicht des Rades (Einkauf) bekommt das Rad stets neue Eigenschaften. Und reagiert dementsprechend. Deshalb mein Rat, immer nur soviel einkaufen/mitnehmen, wie wirklich erforderlich ist. Das nächste Dilemma bestand darin, dass mir vor einigen Tagen auch noch der Lenkertaschenhalter abbrach. Die Originalschweißung, das waren insgesamt 4 Induktionspunkte, brach ab. Ein Isländer half dem ab, mit einem richtigen Schweißgerät zog er eine saubere Naht über die Konstruktion, anschließend folgte der Korrosionsschutz, der hier in der Salzluft besonders wichtig war. Unzählige kleine Steine haben dafür gesorgt, das mein Unterrohr nun braun gesprenkelt ist. Der isländische Mann bekam umgerechnet zwölf Mark für die heilsame Kur - mehr als er nehmen wollte. Und das in einem Land, wo die Preise x-mal höher sind als hier. Das kann man hier bei uns wohl bald vergessen.

Freitag, 9.7.

Die Fahrerei heute hat keinen besonderen Lustgewinn dargestellt, der Wind verhinderte das. Wir sind in Laugarvatn angekommen, die Strecke war ein kurzes Stück lang sehr gut, aber auch Steigungen mit glitschigem Untergrund durften wir mal wieder kosten. Wie oft habe ich darüber nachgedacht, wie es wohl sei, wenn die Steigungen, die sich bisher im Rahmen des erträglichen hielten, weiter zunehmen würden. Doch dazu kam es nie. Ich habe heute eine Gelegenheit genutzt, die auf Island nicht alltäglich ist: Zwei nagelneue Mäntel klemmen nun auf dem hinteren Gepäck, neben den beiden Packtaschen mit den Klamotten, dem Zelt und dem Schlafsack. Den habe ich immer in einem großen, schwarzen Müllbeutel. Es gibt wohl nicht viel, was so ärgerlich ist wie ein nasser Daunenschlafsack.Nun bin ich aber ziemlich müde, schlafen tut gut. Der Wind zerrt am Zelt, läßt es erbeben.

Samstag, 10.7.

Es ist noch früh, erst kurz nach sechs Uhr, und nun finde ich die Zeit, die momentanen Gedanken zu notieren. Dirk schläft noch. Soeben habe ich meinen vor einigen Tagen abgesoffenen Tacho wieder zusammenmontiert, und er funktioniert wieder. Einfach über Nacht offen liegen gelassen. Später will ich noch den Mantel Dirks auswechseln gegen einen meiner neuen. Das Wetter ist außergewöhnlich gut, es regt sich kein Lüftchen mehr, und auch die Sonne scheint. Scheint alles ideal, heute weiterzufahren, doch zunächst steht ein Einkauf auf dem Plan. Die Geschäfte würden heute um neun Uhr öffnen, so sagte mir jemand am Waschraum. Ich habe noch drei Stunden Schlaf hinzugefügt, die Sonne schien immer noch, nur der Wind erhob sich leicht... Hoffentlich ändert sich das auch nicht mehr, so denke ich in diesem Moment. Dirk und ich wollen gleich erstmal Fressalien besorgen. Wir kaufen größere Mengen an frischem Gemüse, Tütensuppen, und ich lege einen sechs Liter Vorrat an Milch an. Dirk schüttelt mit dem Kopf. Wieso ich soviel mitschleppen wolle...Der Mann weiß eben nicht was *meinen* Motor gut schmiert...Ich erwiderte die Frage mit der Gegenfrage, ob er denn ein Karnickel sei, bei den Grünzeugmengen... Es steht eine Hochlandetappe bevor, und es gibt für einige Tage nichts zum Einkaufen. Die Taschen sind am Ende ziemlich voll, und wir verlassen zufrieden das Geschäft. Der Campingplatz ist ein Gemenge der verschiedensten Menschen. Aufgefallen sind uns zwei hübsche junge Damen aus D. Am Vorabend hatten sie anscheinend viel Spaß miteinander, und es mag langweilig erscheinen, aber ich stopfte zuguterletzt meine Ohren mit zwei weichen gelben Röllchen... halb elf abends: Gleich werde ich schlafengehen. In der Hütte für alle mache ich noch ein paar Notizen. Die Fahrt morgen wird hoffentlich etwas weniger kräftezehrend als die vergangenen, so meine Hoffnung. Das steht aber nicht zu befürchten, so denke ich mir. Zwei Schwaben wollen uns begleiten. Ach was schreib ich, eine Schwäbin mit ihrem Freund natürlich... Heute trafen und begleiteten wir auf der Tour zwei Söhne mit ihren Herren, welche etwa 50 Jahre alt sein mochten. Sie machten einen Nostalgie-Trip, und erzählten am Abend im warmen Bade des Campingplatzes von früheren Erlebnissen. Sie vergaßen auch nicht zu erwähnen, wie die Insel vor 25 Jahren aussah...Das Schwimmbecken war etwa 100 Meter von dem Strokkur entfernt, daneben lag unser Campingplatz. en Strokkur habe ich erstmal bei einer Eruption aufgenommen, als mir das Sonnenlicht ( :-)) ) passend erschien. Da war ein alter Mann mit seinem Enkel, der bis über beide Ohren frohr. Man sah es ihm deutlich an. Er war Schwede, und machte hier Jahr für Jahr Urlaub. Er kippte in den Strokkur Schmierseife, um ihn zum Speien zu bringen. "Man muß alles ausprobieren", so sein Argument zur Frage, was die Verschmutzung solle. Das Ding kam auch prompt. Der Seifenschaum wehte in unglaublicher Menge in ein -sehr seltenes- Birkengestrüpp von sehr großen Dimensionen. Ob das wohl so pralle war? So, jetzt geht's aber ab in die Kiste, morgen wird früh aufgestanden, um zu pedalieren.

Sonntag, 11.07.

Ich war einfach zu schlapp, noch etwas zu notieren.

Montag, 12.07.

Gestern der Tag war wenig beschaulich - der Wind ist hier das Problem - nicht der Regen. Wir wollten die Hochlandetappe von Gullfoss nach Akueiry nehmen. Wir ließen es bleiben. Der Wind, der praktisch konstant aus Nord blies, und das sehr kräftig, veranlaßte uns, nach Süden zu fahren, auf die Ringstraße, wobei wir einmal Rückenwind genießen durften. Die Entscheidung war recht fatal. Der Wind drehte abermals, und kam aus etwa 40 Grad auf uns zu. Wir fuhren noch 40 Kilometer gegen die Brise an. Island ist schön. Radfahren auch. Das Experiment schlug fehl. Es ist (fast)nicht miteinander kombinierbar. Im Gebirge erklimmt man Berge, und rollt sie wieder hinunter. Gegen den Wind tritt man nur an. Streßfreies Fahren gestern. Bei 8-10 km/h in den ersteren Gängen...Es nervt irgendwann ein wenig. Ich sehnte mich zuletzt nach dem höchsten Gipfel Norwegens, um ihn im Gegenzug zum Wind zu nehmen... Mit dem Verschwinden des Regens kam der Wind. Das ist nun schon fast normal, seit 4-5 Tagen bläst der Wind uns in's Gesicht. Ich verspüre keine allzugroße Lust mehr, weiterzufahren - jedenfalls nicht mit dem Velo. Die aufgesetzte Tasche auf den hinteren Packtaschen läßt sich einfach und sehr unkompliziert zu einem Rucksack umfunktionieren, auf diese Weise ließen sich Tagestrips unternehmen, aber was ist mit Dirk? Er hatte nur die normalen Packtaschen, die waren nicht sonderlich gut zu tragen. Wir wollten den Weg an dem Tag aber trotzdem weiterfahren, was wir auch taten. Die Urlaubsreise verwandelte sich in eine Knochenarbeit, die allerdings auch gewaltig etwas einbrachte: Die Kondition wuchs nicht schlecht...

Dienstag, der 13.07.

Gestern war ich noch ziemlich deprimiert. Heute ist das anders: Dirk und ich liegen mitten in schönster Natur - links schießt ein Gletscherstrom über einen Felsen hervor, dabei macht er aber nur ein sehr leises Geräusch, rechts gluckern zwei Gletscherflüsse. Beide haben eines gemeinsam, sie sind beide kristallklar und zum Trinken geeignet. Eiskalt obendrein. Wir mußten die beiden Flüsse furten. Achtmal rein und raus aus den Flüssen, sie reichten bis zur mitte meines Oberschenkels, bei Dirk ein wenig weiter =:-) Ich trug ihn, wobei er mich bat, ihn doch zu tragen. Ich kam seinem Wunsch nach -er bat mich inständig, *nicht* auszurutschen...Der Wind war heute kein Thema. Er hat an Heftigkeit verloren. Dafür gab's zur Abwechslung ein klein wenig Regen. Ich mußte einmal 'raus, um die Abspannleinen nachzuspannen, da das Innenzelt am äußeren klebte. Und das, wenn man schon warm und mollig im Schlafsack liegt, und über den Tag sinnieren möchte.

Mittwoch, 14.07.

Es war ein guter Morgen, denn es war weder regnerisch noch windig. Und das, obwohl es durchaus bewölkt war. Die Nacht brachte einen sehr geruhsamen Schlaf, und so war ich fit, den Weg zurück zu fahren. Zurückfahren deshalb, weil wir am Tag zuvor in eine Sackgasse fuhren. Ja, das wußten wir. Meine Jeans, die ich Dienstag im Wasserfall wusch, war leider immer noch nicht trocken, und so spannte ich sie über die hinteren Packtaschen. Ein kleines Malheur passierte Dienstag auch noch: Als ich zum Wasserfall emporstieg, um Hemd und Hose zu waschen, rutschte ich weg, zog mir eine Schürfwunde am rechten Knie zu, und landete mit dem Allerwertesten im Bach. Sehr erfrischend! Wir hatten aber noch ein Problem, denn die Sprengisandur-Route war noch nicht geöffnet. Sie war nach dem sehr harten Winter noch nicht geöffnet worden. Ein kleines Stück war noch nicht geöffnet. Wie lange es dauern würde, darüber gab es nur Spekulationen. Dann, etwa eine Stunde später, gab es Nieselregen, der an Stärke zunahm. Wir fluchten leise in uns hinein. Mist, schon wieder blockiert. Wir sprachen über die weitere Routenplanung, und es ergab sich zwangsläufig nur eines: Wir fahren zunächst weiter nach Osten, dann eventuell mit dem Bus nach Norden, da alle anderen Wege "versperrt" waren. Im Westen der Insel waren wir zur genüge. Und als wirklich befahrbar stellte sich nur die Ringstraße heraus, wo allerdings auch sämtlicher Fernverkehr durchbrauste. Man kann sie getrost als Autobahn bezeichnen, denn oftmals wurden Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h gefahren, wenn es denn eben ging. Weiter tobten sich junge Isländer auf dem Weg aus, und fuhren mit ihren extrem hochgebockten Karren wie die Neandertaler. Die Wagen hatten zumeist 1,5m hohe Ballonreifen, und eine Bodenfreiheit von bis zu 1,2m. Naja, eines muß man den Dingern lassen: Sie kommen überall durch. Die Zeit der Island-Ponys ist vorbei, in dem Sinne, das sie die Menschen über die ganze Insel trugen. Sie werden gehalten, weil viele Zucht betreiben - sie lohnt sich. Weiter werden sie an Touristen vermietet, dann gibt's Touren in die Pampa. Islandponys haben auch einen "Gang" mehr als andere Pferde. Eine Folge des Landesprofils. So hörte ich mal. Soll was mit dem Furten zu tun haben... Während der Schreiberei wurde es trockener, und wir packten die Reste, also die Zelte, ein. Dann kam abermals das furten. Große Wassermengen durchflossen unsere Gletscherflüsse, ich versank recht tief, die Wassertemperatur weckte die letzten noch ruhenden Geister in mir. Es taute im Hochland, ja ja. Die Wasserfälle gelangten zu ihrer Hochkonjunktur. Dann kam es wieder. Die "Straße" war grauenhaft. Extremstes Wellblech. Die 26" Räder nehmen jede Sinuswelle voll. Das Material fing kräftig zu ächzen an...Wie sprach der Herr?"Nimm es hin, und lächle, es könnte schlimmer sein." Ich lächelte, und es kamen im schlimmsten Teil der Strecke noch Sturmvögel auf uns zu, die uns mitteilen wollten, daß das ihr Brutgebiet sei, und sie es überhaupt nicht billigen könnten, daß wir ihr Gebiet durchquerten. Das machten sie unmißverständlich dadurch klar, daß sie im Sturzflug auf die Köppe einhacken wollten. Wir ruderten wie die Wilden mit den Händen über unseren Köpfen, um die kreischende Brut abzuschütteln. Dazu versuchte ich, möglichst zügig die Bühne zu verlassen, was irgendeine Konsequenz haben sollte... Nach einem Kilometer waren die Vögel weg, und wir wußten plötzlich, wozu Helme gut sind...Das Ritzelpaket gab etwa fünf Kilometer nach dem Exkurs in die lebendige Biologie seinen Geist auf. Da trat man einfach in's Leere. Danke!, mein erster Gedanke....Ich vereinbarte mit Dirk, das wir uns am übernächsten Campingplatz östlich auf der Ringstraße treffen wollten. Dirk fuhr voraus, ich schob mein Rad etwa zehn Kilometer weiter bis zur Ringstraße, wo ich ein Ehepaar traf, welches sich bereiterklärte, all meine Sachen zu beherbergen. Das erste Problem war gelöst. Ich ging in die große Halle des Isländers, wo sich all sein Arbeitsmaterial befand. Ein riesiger Trecker, Mähmaschine, sowie kleinere Zusatzaggregate für den Trecker. Im hinteren Teil eine komplette Tischlerwerkstatt. Der normale Isländer geht mehreren Berufen nach, je nach Saison. Die Fischerei ist ziemlich zurückgegangen, bedingt durch Überfischung. Jetzt können sich die Bestände wieder auffüllen. Im Nord-Westen gibt es jede Menge toter Fischfabriken. Der gebirgigste Teil der Insel ist sehr dünn besiedelt, selbst für isländische Verhältnisse...So baute ich mein Hinterrad aus, und mit dem Abzieher versuchte ich an dem hauseigenen Schraubstock, das Ritzelpaket abzuschrauben. Was gründlich danebenging. Der Abzieher war bedingt durch das beherzte Zugreifen völlig abgenudelt. Da war Hopfen und Malz verloren. So nahm ich das komplette Laufrad, meinen Schlafsack und die Isomatte, und machte mich auf den Weg, nach Reykjavik, ein neues Ritzel zu ergattern. Die Uhr war zehn.Ich trampte, was auf IS viele Freunde hat, um möglichst am Abend dort anzukommen, was auch gelang. Ich kam gegen halb zehn abends an, und suchte eine dieser Schlafsackunterkünfte auf, die ich dann auch fand. Dank des Bauers, der mir einige wirklich sehr nützliche Adressen mit auf den Weg gegeben hatte.Die sehr großen Räume waren durch großzügig aufgehängte großflächige Vorhänge abgetrennt. Ich besuchte noch die nur sehr leicht riechenden warmen Duschen, und genoß anschließend den Schlaf. Freitag, kurz nach Mitternacht. Das der Donnerstag ein ganz eigenes Abenteuer beinhalten sollte, hatte ich mir eigentlich nicht vorgestellt. Ich stieb mit dem Hinterrad zu einem Radhändler, den mir ebenfalls der Isländer empfohlen hatte. In der Werkstatt kam dann die Stunde der Wahrheit. Es war schier unmöglich, den Kranz zu entfernen, sämtliche Versuche mit diversen Abziehern schlugen fehl. Ich zum nächsten Laden. Der hatte Schraubkränze nur bis zu 24 Zähnen, und in der Werkstatt tummelten sich vergnügt einige Schüler, welche aber auch keine Lösung des Problems kannten. Der dritte Laden versprach mir Hilfe. Ich solle das HR in die Werkstatt bringen, der Mechaniker würde die Sache mal begutachten. Er war etwa 50, und sagte nur, das die Sache in drei Stunden abholbereit sei. Kränze habe er aber nur bis 28 Zähne, was denn wohl auch reichen sollte. Ich ging zu meiner Unterkunft zurück, wo mir die Rezeptionsdame einen Kaffe anbot. Ich schrieb zehn Postkarten. Man muß die Zeit nutzen. Um drei Uhr mittags holte ich das Laufrad wieder ab, und bezahlte stolze 75 Mark. Egal, denn es muß eine grausige Arbeit gewesen sein, das Teil abzubekommen. Ich war froh, mit dem blauen Auge davongekommen zu sein, und man mag es kaum glauben: Ich verspürte einen Riesendrang, wieder weg zu kommen. Denn es war bereits halb vier, ich wollte nicht zu spät wieder zum Ehepaar zurückkehren. Per Pedes latschte ich also zurück zur Ringstraße, welche im Süden von Reykjavik liegt. Ich fuhr mit fünf verschiedenen Leuten, zuletzt mit zwei Deutschen. Die wollten eine Auskunft haben von mir, nämlich wo die nächste Pension sei, Hotels seien ja viel zu teuer. Die Mietpreise für ein "Selbst" seien horrend, man müsse sparen... Ich erreichte das freundliche Ehepaar gegen halb zehn, sie waren noch wach. Wir sprachen über Island und seine Menschen, wie sie leben, und vor allen Dingen: Wie man mit der Bedrohung durch die Hekla leben kann. Ein Ausbruch dieses Vulkans ist längst überfällig. Durch diesen Umstand befürchtet man nun einen um so größeren Ausbruch, eventuell könne der Berg auch explodieren. Wenn das passiere, so die Frau, die durch eine deutsche Freundin ein gutes Deutsch gelernt hatte, dann würde das Leben an ihrem Wohnort zu Ende sein. Sie hatten schon oft mit den Asche-Wolken aus dem Vulkan zu kämpfen. Es dämmerte. Wir gingen Schlafen.

Freitag, 16.07.

Ich kam um etwa 12.00 Uhr weg vom Ehepaar, das mir noch eine schöne Reise wünschte. So erreichte ich Dirk gegen 15 Uhr. Am Campingplatz am Skogafoss. Wir schritten den Berg hinauf, von dem der Wasserfall herabrauschte. Wir fotografierten die sehr ruhige Landschaft, und waren völlig allein. Nichts und niemand störte die Szenerie. Große Lavabrocken, bedeckt mit Moosen und Flechten, säumten den breitgefächerten Fluss, niemand hatte dort Hand angelegt. Wir radelten gegen vier Uhr am Nachmittag weiter, natürlich gegen den recht kräftig blasenden Wind. Es waren noch zwanzig Kilometer bis Vik, was wir am Abend erreichten, gegen sechs Uhr. Der Tag war sehr anstrengend. Was den Wind anging, so glaubte ich fest daran, daß er stets von vorne bliese. Egal, wohin man die Richtung einschlug. Da muß es was magisches haben;-) Er wehte sehr machtvoll auf die Brust. 40 Kilometer Island, müde lächelte ich, und dachte an die beschaulichen 130 Kilometer-Trips in der Norddeutschen Tiefebene. Die Ellenbogen auf dem MTB-Besenstiel, die Hände an der Kameratasche, so fuhr ich zu 70 Prozent...Der Campingplatztarif war dreist. 400 Kronen waren anzulegen, die Toiletten sowie Duschen befanden sich im Ort, in der Schule. Etwa drei Radminuten entfernt. Mit nassen Haaren bei Windstärke sechs und zwölf Grad zurück?

Samstag, 17.07.

Morgen, so dachte ich bei mir, sind es schon zwei Wochen, wo wir starteten, die Insel komplett zu umrunden. An sich wollten wir die Tour durchs Hochland auch nur fahren, wenn denn die Umrundung innerhalb von vier Wochen vonstatten gegangen wäre. Woran ich keinen Gedanken mehr verschwendete. Der Mensch hat physikalische Grenzen, man kann nicht beliebig steigerbar gegen Wind ankämpfen. Man findet seinen Tritt, der die Grenze aufzeigt, die an die maximale Leistungsabgabe geknüpft ist... So benutzten wir den Bus, um die breiten Sanderflächen südlich des Vatnajökull, des größten Inlandgletschers, zu queren. Der Grund, den Bus zu nehmen, ist recht einfach: Der enorme Wind über denselben. Die Landschaft ist ungefähr 100 Kilometer breit, und 50 Kilometer breit in Nord-Süd-Richtung. An 'fahren' im Sinne von vorwärtskommen war nicht zu denken. Am Tag zuvor schon fuhr ich nur allzuoft auf dem 28er Kettenblatt vorn, der Wind hat auch schon wieder pünktlich gedreht... Der Bus verließ Vik um 12.00 Uhr. Ich mußte noch meinen Kram zusammenpacken. Die Räder nahmen wir mit. Sie landeten auf Trägern hinten an den Bussen, dort blieben sie trocken, selbst bei recht kräftigem Regen. Nur ein Manko war dabei zu berücksichtigen. Die Räder staubten bis zur Unkenntlichkeit voll. Wenn die Wetterlage trocken war, dann verwandelten sich die Matsch-Bahnen in staubige Pisten. Durch die Windverwirbelung am Bus hinten wurden dabei Kette und Ritzel, sowie alle Lagerschalen enthaltenden Bauteile gleich auch noch mit Staub versorgt. Das Zeug ist zum großen Teil sehr hart, einer Schleifpaste gleich. Da gab es Kettenblätter zu sehen, die an den Berührungsflächen total blank-, und dünn gescheuert waren. Mittags kamen wir in Freysnes an, von wo aus wir erstmal eine Wanderung unternahmen. Zu einem Wasserfall namens Seljafoss. Die Schönheit des Falles war ein Produkt achteckiger Basaltsäulen, welche dem Wasserfall etwas von einer großen Kirchenorgel verliehen. Dirk und ich fotografierten, ein Mann war sehr erfreut, als ich ihm mein Dreibeinstativ lieh. So war das gute Familienbild noch gerettet.Zeitig gingen wir zu Bett.

Sonntag, 18.07.

Wir machten eine Wanderung zu einem acht Kilometer entfernt gelegenen Nebengletscherausläufer des Vatnajökullgletschers. Die Wanderung lief durch Birkengestrüpp, einem kleinen Wald gleich. Lange Teilstücke konnten wir den Hauptstrom verfolgen, der in Nord-Süd Richtung lief, und mehrere Kehren hinter sich bringen mußte. Die Oberfläche war schwärzlich, eine Folge des zum Teil extrem feinen Staubes, der einem oft begegnete. Die Oberfläche war stark aufgerissen, und wir bekamen eine Ahnung von den Kräften, die ihn formten. Wir liefen bis zu dem See, der sich gräulich darbot. Abgebrochene Stücke schwammen im See, einem Drink mit Eiswürfeln gleich. Wir trafen eine Deutsche, "Barbie" getauft, sie kam aus Bad Segeberg, und hatte gerade das Abi gemacht. Nun wolle sie den Streß vergessen, und ging dazu wandern. Wir liefen gemeinsam zurück.Dirk und ich waren der Fahrerei noch nicht überdrüssig, und entschlossen uns, am nächsten Tag bis Höfn zu fahren. Ach ja, Taja war ihr Name. Wir sollten sie bald wiedersehen, nach einigen unerwarteten Widerspenstigkeiten...

Montag, 19.07.

Es war recht früh am Morgen. Wir standen gegen sechs Uhr auf, anschließend packten wir zusammen. Die Landschaft war recht eindrucksvoll, und auch der Verkehr hielt sich zu dieser Zeit in Grenzen. So machten die ersten vierzig Kilometer viel Spaß. Dann ging der Wind 'an'. Mit ständig steigender Geschwindigkeit. Natürlich von vorn. Und am Ende mit einer Stärke, die wir nie zuvor erleben mußten. Etwa acht bis neun, nach Beaufort...:-(Wir machten eine 180 Grad Kehre, und entschlossen uns, die Hauptstadt zu besuchen. Nachdem wir am Morgen starteten, gab es auch die erste Panne, denn ich übersah ein Schlagloch, welches dafür sorgte, daß mein Hinterrad ziemlich krumm war. Eine dicke Acht sorgte für ein vollständiges Blockieren des Hinterrades. Mein einziges Glück war, das ich recht kräftige Speichen besaß, welche mir die Felge wieder hinzogen. Tja, die schmalen Felgen sind eben nichts für solcherlei Belastung. Nach der Nachspannaktion hielt das HR dann aber durch. Wir drehten also abermals den Kurs, und kamen in weniger als einer Stunde wieder an unserem Ausgangspunkt an. Dort speichte ich die Felge nochmal, diesmal sehr präzise, neu ein. Dem Himmel sei dank, so mein Seufzer, daß ich das Richten schon gelernt hatte, und so keine Pleiten mehr auftraten.Am Abend genossen wir, so frisch wie wir noch waren, ein paar Gläschen vom Jackie. Eine wohlige Wärme machte sich daraufhin breit. :-)

Dienstag, der 20.07.

Das Hinterrad war repariert. Der Tacho, mal wieder abgesoffen (BC...)lag zum Trocknen in einem Wickel aus Toilettenpapier. Auch er war wieder bereitwillig. Ich schraubte das Ding zusammen, und umwickelte es mehrere Male mit einem Isolierband. Das hielt. Taja (Barbie), unsere Zeltnachbarin, war aufgebrochen. Nach Landmannalaugar. Heiße Quellen sowie farbig differierende Berge laden ein. Sie hatte den acht Uhr Bus genommen. Ihr Zelt war oft genug Ziel unserer Häme. Ein Zelt, konzipiert, um Kindern auf der Wiese zum Spielen zu dienen; als Dach über dem Kopf auf einem Islandtrip - wir mußten schlicht grinsen. 49.50 DM das Teil. In Barbie-Lila-Ausführung, bewußt leicht, bewußt ohne irgendwelchen schweren Reißverschlüsse, oder noch gewichtigeren Fliegennetzen. Es regnete hinein, und wehte hinein. Alle drei Tage verabschiedete sich irgendeine Abspannung, am Ende spielte der Wind mit der Folie. Um zwölf Uhr nahmen wir den Bus bis Kirkjubaerklaustur, von wo aus wir trampen wollten, Ziel Landmannalaugar. In den heißen Quellen baden. Die Räder, nun zum Ballast geworden, werden wir am Zielpunkt Kirkjubaerklaustur zurücklassen. Ich mußte unbedingt noch zum Postamt, da ich völlig abgebrannt war. Ich packte zusammen. Am Mittag kam ich dann zu meinem Geld, und gab Dirk noch etwas geliehenes zurück. Wir gingen in eine Cafeteria, und gönnten uns einen Kaffee, in Kombination mit einem Softeis, welches einen gewissen sättigenden Charakter hatte, da die Portion recht anständig war. Wir gingen zur Ringstraße, die etwa einen Kilometer entfernt war. Dirk ging vor, damit wir eine reelle Chance bekamen, weg zu kommen. Denn eines war Gewiß: Die Isländer, welche unterwegs waren, machten ebenfalls Urlaub, dementsprechend wenig Platz hatten sie. Ein Schweizer, mit französischer Muttersprache und einem japanischen Kombi, las mich auf. Und auch Dirk, der bereits ein paar Kilometer entfernt war. Der Schweizer war Fotograf, ein freier, der nun auf seinem zehnten Islandtrip war, stationiert in Vik. Leider sprach er kein Wort Englisch, so beschränkte sich die Unterhaltung auf Nebensächlichkeiten, die Dirk mit seinem Schul-Französisch zustande brachte. Als er uns an der Abzweigung zur Landmannalaugar-Piste entließ, offenbarte er seine Ausrüstung auf unseren Wunsch hin. Eine Panoramakamera kam da zum Vorschein, Negativformat 6x17 cm... Dazu noch eine Mittelformatkamera mit etwa zehn fetten Objektiven sowie diverse Nikons. Und ein echtes Prügelstativ, mit 100 Pfund nicht eben ein fahrradtaugliches, aber dafür sehr stabiles Teil... Wir verabschiedeten uns, und dankten für's Mitnehmen. Es ging die Piste hinauf, recht weit liefen wir, etwa sieben KIlometer, wo wir zu Mittag aßen. Als die Brotzeit vorbei war, wurden wir von einem "Warden", einem Aufseher/Besitzer eines Campingplatzes mitgenommen. Im Pick up, wo hinten auch unsere Bagage Platz fand, befand sich ein gewaltiges Sofa, welches vor meinem geistigen Auge mehrere Male mit einem Satz aus der Ladefläche flog. Zuerst dachte ich, er sei ein junger Spund, der uns zeigen wolle, was eine Harke sei. Dann aber merkten wir, daß er die Strecke beherrschte, denn in den entscheidenden Momenten reagierte er sofort auf Ausbruchversuche des Wagens. Oder auch auf die zum Teil riesigen Schlaglöcher. Mit 120 Sachen ging es manchmal voran, auch ohne Kontakt zur Bahn. Eine Achterbahnfahrt durch Island's Hochland. Oft hielt er aber den Wagen an, und griff sich seinen Feldstecher. Er hielt immer an hochgelegenen Punkten, wo er dann einen Rundumblick machte. Wilde Camper haben einen Brand verursacht, das Moos sei verbrannt. So sagte er. Alle Leute, die er aufgriff, sollten auf seinem Campingplatz übernachten. Er hatte ihn neu angelegt, und wahrlich die beste Wahl getroffen. Die Landschaft war, gelinde gesagt, erhebend. Das Moos schimmerte fast blau auf den Felsblöcken, welche das Areal nach Norden begrenzten, im Süden querte ein Gletscherfluß die Landschaft. Einige Reitertrupps waren in der Ferne auszumachen, sie machten Tagesausflüge.Ich griff mir Stativ, Kamera sowie Filme, und erklomm den Hügel, einige Trampelpfade erleichterten den Aufstieg. Und auch hier wieder die Achteckbasaltstrukturen, inclusive einem sehr eindrucksvollen Wasserfall, der für meinen Geschmack der bisher schönste war. Nicht zuletzt wohl auch wegen der idealen Beleuchtung durch die Sonne, die auf Island immer für eindruckvolle Farbspektakel sorgen kann.Er fiel eingerahmt vom Basaltkanal in die Tiefe, die Arten auf den Vorsprüngen der Felsen waren zahlreich, und immer der extremen Feuchte durch die Gischt ausgesetzt, welche von unten nach oben sprühte. Tolle Aussichten im Ur-Land zwischen Amerika und Europa...Von der Fotosession zurückgekehrt, trafen wir auf ein Ehepaar, welches ausgerüstet bis an die Zähne war. Der Geländewagen war gefüllt bis zum Anschlag. Es gab erstmal eine Runde Bier, sechs Paletten waren noch da. Jaja, die Alkoholpreise... Die hatten aber einen echten Zelt-Fimmel. Hilleberg-Zelte für schlappe vier Tausender, für jede denkbare Möglichkeit das Passende. Wir gingen gegen zwei schlafen, denn es dämmerte zur Nacht.

Mittwoch, 21.07.

Wir nahmen den Bus zur Askja, wo wir eine Naturbrücke besuchen wollten.Sie überspannte einen Wasserfall. Sie war aber eingestürzt. Nach 1000 Jahren war sie am Tag zuvor eingebrochen. Irgendwie waren alle bestürzt. Die Reste des Bogens waren im Fluß noch als Trümmer vorhanden. Und sofort fingen die Gespräche darüber an, wie man sie wieder reparieren könne. Irgendwer redete gar vom Betonersatz... Nach einem einstündigen Aufenthalt ging es dann weiter mit dem Bus, zur Landmannalaugar. Der Schnee am Wegesrand erzählte von den Schneemengen, die bis vor kurzem auch den Zugang zu diesem Landesteil verwehrten. Der Warden des Campingplatzes erzählte auf englisch von den Bergen, und machte auch auf grobe Mißstände aufmerksam. Wie etwa von der wilden Heizerei eines Touristen durch das Umland. Dadurch wurde die dünne Vegetationsdecke zerrissen, die Erosion setzte ein. Hundert Jahre etwa braucht eine solche Fahrspur, um wieder zu verschwinden. Denn die Vegetationsphase betrug ganze zwei Monate pro Jahr... Wir kamen glücklich an, obwohl das Wetter völlig grau war, denn die Wolkendecke riß schließlich ein wenig auf. Wir beschlossen, bei gleichem Wetter am nächsten Tag eine Wanderung zu machen. Taja, die wir bei unserer Ankunft noch trafen, wollte wieder weiter, zur Thorsmörk. Sie redete von ihrem Barbie-Zelt. Es regne hinein, und (noch) eine Abspannung habe den Geist aufgegeben...Mein Zelt hielt soweit noch, aber bedingt durch das sehr straffe Abspannen gingen die Nähte schon ein wenig auseinander. Wir gingen baden. Zwei Bäche treffen sich, der eine eiskalt, der andere siedend-heiß. So passiert es, daß man an den Beinen fröstelt, und sich im Gegenzug an der Brust verbrennt. Naja, es gibt immer den einen oder anderen genehmen Platz, wo die Temperatur stimmt...

Donnerstag, 22.07.

Den ganzen Tag regnet es schon, Bremer Schmuddelwetter wie im November in der Landmannalaugar. Der Bus kam bald, Dirk und ich packten zusammen, denn der Bus brachte uns zurück zu den Velos, die in Kirkjubaerklaustur auf uns warteten.Ich versprach einer Schülerin aus Reykjavik, die dort arbeitete, ein paar Fotos von der Anlage zu machen, was allerdings nicht sonderlich spaßig war, denn das Licht war recht dürftig.In der Nacht spürte ich zum erstenmal, was es bedeutet, wenn man nur mit dem Schlafsack allein auf dem steinigen Boden lag. Die Iso-Matte hatte ich, intelligent wie ich war, bei meinen anderen Sachen gelassen. Es gab praktisch kein Gras, und wenn, dann nur etwa 8-10 cm dickes. Was aufgebracht wurde, wie Teppich im trauten Heim. In einigen Gegenden auf Island wird Gras als Verkaufshit gezogen. Lohnend ist es allemal, denn durch die Gras-Matten wird es im Prinzip erst möglich, neues Land zu erschließen. Die Campingplätze sind ebenfalls auf die Matten angewiesen, denn in der Regel gibt es nur vulkanische Untergründe. Einige frisch angelegte Campingplätze waren dadurch recht bunt: von gelb bis sattgrün reichte die Palette der Farben der Soden. Ich machte die Bilder, doch leider hingen die Wolken so tief, daß vom umgebenden Gebirge nichts zu sehen war. Wir schwammen förmlich in den Wolken. In einer Tour war das UV-Filter dicht benetzt mit feinsten Tröpfchen. Ich schrieb noch Postkarten. Dann kam Dirk von dem Trip zurück, eineinhalb Stunden war er unterwegs. Er sah aus, als ob er ein Vollbad genommen hätte. Meine Treter wären wahrscheinlich völlig durchgeweicht, dank Gore-*** war er aber knochentrocken...Wir packten zusammen, und begaben uns zum Busareal. Wir starteten, und nach einem 1,5 h Aufenthalt am Wasserfall kamen wir abends um sieben Uhr an. Durch die weiter gewachsenen Wassermengen mußte der Bus etwa ein Dutzend Furten nehmen, was er dank des Allradantriebs auch problemlos bewältigte. Eine Gruppe völlig verdreckter MTB'ler kam uns entgegen. Die total Verwegenen:-)Der Bus brach mehrere male durch die Wolkendecke, Sicht etwa noch 20 Meter. šber dieser Wolkendecke entdeckten wir noch eine, auch dicht. Das Wetter versprach nicht eben freundlich zu werden.In Kirkjubaerklaustur angekommen, machten wir uns auf den Weg zum Informationszentrum, wo wir auf noch offene Türen hofften. Wir hatten Glück. Gerade war eine Putzfrau da, die einer Ameise gleich durch die Gänge huschte. Sie öffnete, und teilte uns mit, das sie Bescheid wüßte; Sie führte uns zu unseren Sachen, wir machten uns auf den Weg nach Kirkjubaerklaustur 2. Wir bauten die Zelte auf, und begaben uns in die Hütte für alle, wo wir ein paar Bekanntschaften machten, ich ging zeitig schlafen...

Freitag, 23.07.

Nach einer durchregneten Nacht war es am Morgen trocken, die Sonne schien. Ich ging in einen Supermarkt, Brot, Milch sowie Marmelade gingen dem Ende zu. Ich schnappte mir Dirk, der den ganzen Morgen rumwuselte, in seinem Zelt. Wir suchten einen Ort auf, der einen Kirchenboden enthalten sollte. Ich suchte aus der Ferne aber vergeblich nach einer Kirche, und so erhöhte sich die Spannung, was denn nun wohl zu erwarten sei. Es war Basalt, fünf und sechseckige Säulen, die mit ihren platten, abgeschliffenen Oberseiten an die Oberfläche traten. Sehr hübsche Spielerei der Natur, diese Formen... Wir machten Fotos. Da Dirk noch zum Supermarkt wollte, begleitete ich ihn, um 13.15 fuhr unser Bus nach Reykjavik. Die Fahrt war recht eintönig, denn die Strecke hatten wir ja bereits durchradelt. Wir schlugen unser Zelt auf einem sehr belebten Campingplatz auf, der zudem auch mit einer Waschmaschine ausgestattet war. Das Haupt-Schwimmbad war vom Platz aus zu sehen. Nach einem relativ langen Streifzug über den Platz und seinen Menschen machten wir uns auf die Socken, im wahrsten Sinne des Wortes. Es waren etwa drei Kilometer bis zum Zentrum. Nach einem längeren Gang durch das Zentrum der Stadt entschieden wir uns, mal eine Kneipe zu besuchen. Es herrschte ziemlicher Betrieb, draußen war ein netter Hinweis auf Beck's Bier. Ich orderte eine Runde Bier, zweimal Egils, eine sehr weit verbreitete Marke auf Island. Mir schmeckte das Beck's besser. Es können eben *nur* echte Hanseaten wirklich gutes Bier brauen;-)1650 Kronen wurde ich los. Den Kurs habe ich leider vergessen. Er wäre aber wohl unbrauchbar, denn die Inflation auf IS ist ziemlich hoch...Die drei Bier haben mich exakt 400 Kronen weniger gekostet als die elend lange Busfahrt zur Rauchbucht. Umgekrempelte Preisdimensionen, auf Island. Wir kamen mit zwei Isländern in's Gespräch, von einem bekam ich sogar eine Internet-Adresse. Auf jeden Fall wurden es dann doch noch drei Biere, sie sollten mir am nächsten Morgen einen Kater verpassen. Es kam eine Isländerin an unseren Tisch. Sie, schon leicht betankt, wollte unbedingt, daß Dirk sie heimbegleiten solle, was er aber dankend ablehnte. Die nächste sprach erst mich an, um danach Dirk auf den Leib zu rücken. Sie war sehr betrunken! Es war um ein Uhr in der Nacht, als der Laden seine Pforten schloß, zu dieser Zeit schlossen sie alle ab. Ein letztes Dröhnen auf den Straßen, dann, nach etwa einer halben Stunde, kehrte Ruhe ein, so ganz allmählich... Durch einen mehr oder weniger lethargischen Gang kamen wir erst um fünf Uhr am Campingplatz an, und suchten die Geborgenheit und die Wärme der Schlafsäcke auf. Ich stopfte mir noch die Ohren zu, und wechselte die Bewußtseinsebene... Nach elf Stunden Schlaf war ich wirklich ausgeruht, um vier Uhr mittags aber noch zum Schwimmbad zu laufen, hätte sich wohl nicht gelohnt. Denn Taja sagte mir noch, das es nur bis halb sechs Uhr aufhaben würde. Wir gingen recht früh los, in die Innenstadt, wo wir uns nicht nur die Baudenkmäler ansehen wollten, sondern auch ein isländisches Fischmahl. Um es zu verzehren. Es schmeckte für meine Zunge sehr ungewohnt. Im oberen Stockwerk war Platz im Übermaß, eine Ausstellung sollte Farbe in den Raum bringen. Es war naive Malerei, sehr fremdartig wirkend. Der Maler war höchstpersönlich vor Ort, und rannte mit einem Kaffeepott in der rechten durch's Parterre, ständig vor sich hin redend. Er sprach niemanden direkt an, nur einmal die Bedienung, er wünsche mehr vom Bohnengetränk. Tja, er mochte etwa 80 Jahre alt sein, der Künstler, der immer nur Bergspitzen malte, in weiß, im blauen Meer.Wir tranken noch einen Kaffee, und weiter ging es zur Hallgrims-Kirche. Der Bau war komplett gegossen. Aus Beton. Aber von einer betörend schönen Form. Der Blick von vorn ließ die Kirche als riesige Parabel wirken, den Scheitelpunkt oben. Die Oberfläche bildete eine B.....-Struktur nach.Die Kirche entstand dabei reinweg nur aus gezahlten Spendengeldern der Isländer. Die Kirche besaß etwas außerirdisches für mich. Man möchte sie in einem der Star-Wars Filme vermuten... Ich habe einen Film gefüllt. Das Licht war auch außergewöhnlich schön, es verwandelte die graue Kirche in ein gelb leuchtendes Mahnmal an die Menschen (schnüff)...Im Anschluß machten wir uns auf zur Kringla, die Dirk auf seinem Falkplan auch eingezeichnet hatte, ein Konsumtempel erster Güte...Wir sahen das Hard-Rock Cafe aus weiter Ferne, und waren gespannt. Das Ambiente war recht nett, wenn man es mag. Mir war es zu aufgeplustert, und zu teuer. Die Bedienungen schälten sich mit angeknipstem Lächeln über den Dielenboden...Ich machte mich nach einem Bier auf, den Ort des Weines zu verlassen, um zu nächtigen. Dirk und Taja zogen weiter.

Samstag, 26.07.

(war fast wie der Freitag)

Sonntag, der 27.07.

Ich erwachte gegen zehn Uhr, und fragte mich, wie lange Dirk wohl noch gemachthatte. Er schlief noch. Taja hat uns heute verlassen, sie flog zurück in die Heimat. Mußte sich noch einen Studienplatz suchen. Ich wollte Dirk mitteilen, daß ich keine allzugroße Lust mehr verspürte, den Ort zu verlassen. Eigentlich wollten wir gemeinsam noch in den fast menschenleeren Nord-Westen. Den Trip, so mein Gedanke, hebe ich für dasnächste Mal suf, mit Wanderschuhen und adäquatem Zelt und einem richtigen Rucksack. Die Karte offenbarte auch einen Punkt. Die Straßenverhältnisse. Da der Teil der Insel von nicht größerem Interesse war, lag die Vermutung nahe,dass die Pisten sehr schlecht gegflegt sein dürften. Naja, wir hatten ja noch Zeit, suchte ich mich selbst zu besänftigen, denn die Touren waren zum Teil echte Tortouren, die Vorstellungen von einigen Trips brannten sich regelrecht in meinem Hirn ein...Dirk war auch bald wieder auf den Beinen, und wir beschlossen, die etwas weiter gelegenen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Wie etwa Perlan, die Perle, welche sich auf einem erhobenen Punkt am Rande der Stadt befand. Wir machten fünf große Wasserbehälter aus. In der mitte der rund aneinander angeordnetensilbrigen Wasserpötte erhob sich ein rundes, postmodernes Glasdach. Das Dingwar irgendwie ästhetisch. Es war der Heißwasserspeicher Reykjaviks, er lag direkt über einer heißen Quelle, die mit 127øC die Töpfe speiste. Da war soviel Energie, daß die Isländer nicht die Heizung abstellten, sondern bei Überwärmung der Räume die Fenster weit öffneten. Auf Island stellt niemand die Heizung aus. Auch nicht im Sommer, der mit Maximalwerten von 20ø daherkommt.Im Winter werden zusätzlich die Straßen in Reykjavik gewärmt, endlos lange Plastikschläuche durchziehen den Unterbau der Straße. Irgendwo gab es immereine Baustelle, die Schläuche waren stets zugegen. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die Welt heute wohlaussehen würde, hätten die Menschen in mehr Gegenden diese Möglichkeiten der Energiegewinnung. Die Verlagerung aller Produktion mit extremen Stromverbräuchen, wie etwa die Alu-Gewinnung, sollten sich hier etablieren, um woanders marode AKW's abzuschalten. Denn eins steht fest: In Island kommt der Strom tatsächlich aus der Steckdose... Wir betraten die Perle, innen schoß in gleichen Intervallen ein Mini- Geysirseine Fontäne hoch, etwa 20m. Es fand eine Modeausstellung statt, auf dernordische Tücher und Gewänder vorgestellt wurden. Die Einrichtung warebenfalls im postmodernen Stil errichtet, viel Stahl, Alu sowie Glas. Nacheineinhalb Stunden verließen wir die Perle, nach dem Besuch der Aussichtsplattform, die einen weiten Rundumblick freigab, ich machte eine Serie von Fotos, Rundumschuß.Am Abend schwatzten wir mit anderen über deren Erlebnisse, und merkten selbst,dass längst noch nicht alles entdeckt war. Der Myvatn im Norden muß demnach auch nicht zu verachten sein. Auch wenn er seinem Namen alle Ehre macht, denn es fliegen größere Mengen Mücken in dem Gebiet...

Montag, 26.07.

Am Morgen folgte die weitere Planung. Mit der Fähre nach Akranes, von dort ausüber die nördlich gelegene Halbinsel. Den Nord-West-Zipfel haben wir zu den Akten gelegt. Oftmals muß ich heute über eine eventuelle Wanderung nachdenken...:-)Ich fuhr zur Post, da meine Barschaft mal wieder erschöpft war, einhundertMark zog ich vom Postsparbuch ab, eine Summe, mit der ich etwa vier Tage hinkam, wenn wir denn keine "besonderen" Ausgaben hatten. Im Anschluß besorgte ich noch Benzin, bleifreies, mit dem der Coleman-Kocher bestens zurechtkam.Die Flamme war praktisch rußfrei, sehr erfreulich an Tagen, an denen es notwendig war, im Zelt zu kochen. Nur ein paar Aromaten strömten in die Nasen, allemal angenehmer als Wind, Regen und Kälte. Wir machten eine Brotzeit, als ich wieder zurückkam. Das hieß nicht selten: Weißbrot, mit Käse und Kaninchenfutter (Salat, Gurke, ...) Lecker Schmackofaz. Ein wirklich anständiges Brot gab es hingegen nicht. Schade. Nur einmal gab es ein echt gutes Brot, nämlich bei der Familie, welche mein Rad... Wir beschlossen, schwimmen zu gehen, in's nahegelegene Schwimmbad. Es beinhaltete aber nicht bloß ein 50x25m großes Becken, nein, es gab ein Dampfbad, extrem feucht (95-98% rel.Luftfeuchte, 40-43°C), eine riesige Wasserrutsche, sowie die sog. Hot-Pots. Typ Nummer eins: etwa 35°, Typ zwei hatte 38°, Nummer drei gab es der Kreatur zu spüren mit 42°. Ich verbrannte mir regelrecht das Fell, als ich übermütig wagte, es zu betreten. Es sprach zumir: Ungläubiger, Unwürdiger, ab in den ersten Pott! Ich gehorchte ihm, und machte es mir bequem. Dann wechselte ich. Und dann nochmal. Dort blieb ich drei Minuten, dann kapitulierte ich endgültig. Zufrieden und glücklich legte ich mich auf eine Liegefläche, und genoß die Temperatur von hochsommerlichen 21 Grad in der Sonne. Ich hätte es mir an sich ja nicht träumen lassen, nahe am Polarkreis mal drei Stunden ein Sonnenbad zu nehmen... Als die Temperatur auf etwa 18° abkühlte, machten wir uns wieder auf den Weg zum Campingareal. Dort wurde gegessen, im Anschluß daran besuchten wir dann die Bucht, die Reykjavik ihren Namen gegeben hatte. Wir nutzten das sehr gute Licht und fotografierten nicht schlecht, die postmodenen Gebäude schimmerten regelrecht golden. Auch sowas wie eine Skyline gab es, drei relativ moderne Hochhäuser sollten der Stadt etwas von ihrer Provinzialität nehmen, was aber kaum gelang, denn die bunten Wellblechhäuser sprachen eine ganz andere Sprache. Wir kamen auf einen Jahrmarkt, wo sich in erster Linie zwölf- bis 16-jährige tummelten, viele von ihnen Anhänger der '70er Jahre Flower-Power Bewegung. Ein Fotograf rannte mit einer 360 Grad Kamera durch die Gegend, und brach unterdem Gewicht seines Statives fast zusammen, was ein Lächeln produzierte, nicht nur bei uns. Wir besuchten noch ein Cafe, wo wir ein gleichnamiges Getränk bestellten, welches mit Grand-Marnier veredelt war, zum Abschluß noch ein Bier. Per Pedes machten wir uns im Anschluß auf den Weg zum fünf Kilometer entfernten Campingplatz, viele Alkoholleichen galt es zu passieren. Erschreckend für mich war an der Szenerie, das sich insbesondere Jugendlichedem exzessiven Konsum hingaben. In keinem anderen Land sah ich soviele junge Leute, die an der Flasche hingen. Wenn wir manchmal bis zur Polizeistunde inder Innenstadt blieben, lagen die Halbwüchsigen wie im Koma auf dem Pflaster. Ganz schlimm wurde es an den Wochenenden, wo man manchmal einen Slalom um sie ziehen mußte. Bis zu diesem Datum allerdings wußte ich noch nicht, wie es aussieht, wenn der Volksfeiertag gefeiert wurde...

Dienstag, 27.07.

Um acht Uhr etwa erwachte ich, und mußte erstmal etwas Wasser loswerden, denn am Abend hatte ich den letzten Gang wegfallen lassen.Für den Fall, dass ich um etwa sechs Uhr erwachen sollte, sollte ich Dirk wecken, denn um halb zehn fuhr die erste Fähre nach Akranes. Ich schenkte es mir also, denn in 90 Minuten wäre vermutlich nur die kopflose Flucht möglich gewesen, nicht eben nach meinem Geschmack. Also frühstückte ich rechtgelassen, und legte mich nochmal hin, zumal Dirk noch am Schlafen war. Um halbelf weckte er mich. Feststellung: Es wehte, und recht fette Bewölkung war aufgezogen. So nahmen wir die Fähre um halb eins. Als wir ankamen mit dem Fährschiff, waren der Regen sowie der Wind wieder auf das normale Maß angewachsen. Rein in die Regenklamotten, und optimistisch gedacht, so die Durchhalteparole für diesen Tag. Ärgerlich, dass es bloß etwa 10° hatte, so war ich dazu verdammt, in die Regenkleidung zu steigen. Klitschenaß innen und außen, echt lecker. Dirk froren die Finger ab, er sah aus wie das Michelinmännchen. Seine Jacke blähte sich im Gegenwind zu nie gekannter Größe auf. Ich warnte ihn noch, er solle sich gut am Rad festhalten, damit er nicht wegflog, danach machten ich Bilder von ihm. Ein Außenstehender hätte uns sicherlich für verwirrt erklärt, denn wir hatten einen Spaß, das die Tränen flossen. Ich erinnerte Dirk an ein Iglo-Zelt, welches auf einem Campingplatz einem Luftballon gleich davonstieb. Nein, es flog über eine Klippe in's Meer...Nach etwa fünf Stunden und dreißig Kilometern drehten wir dann wieder um,genug des grausamen Spieles. Es war echt ausgewachsen, das Wetter. Der Fährmann lachte, als er uns triefende Gestalten wiedersah. Bei Dirks Karrymor-Taschen war an diesem Tag auch Wasser eingedrungen, viele Dinge waren naß. Ich hatte stets Schwein, nie drang Wasser ein. Am Abend wieder am Campingplatz angekommen, gönnten wir uns ein herzhaftes Rindfleischmahl. Das etter versprach leider nicht viel Gutes, ständig hingen tief die Regenwolken am Himmel. Zeitig ging es in's Bett, denn physisch waren wir beide erledigt...

Mittwoch, 28.07.

Schreiende und tobende Kinder beendeten gewaltsam meine Nachtruhe, meine Ohr-Stöpsel konnte ich nicht auftreiben. Dazu gesellte sich dann noch der Rasenmähermann, welcher zweispurig um die Zelte zog. Mit einem Klein-Trecker.Der machte einen Lärm...Wir standen auf, und packten recht hastig unseren Kram ein. Danach fuhr Dirknoch zur Post. Er hatte nämlich damit gerechnet, dass wir in Akureyri, einer Stadt im hohen Norden Islands gelegen, ankommen würden. Im recht geräumigen Aufenthaltsraum stand auch etwas, was ich bisher noch nicht gesehen hatte.Soft-Touch-Screen, Computer von Apple. Das Informationszentrum. Wetter im Norden: Schnee bei etwa minus zwei Grad, alles grau in grau. No, das ist nichts, insbesondere nichts für uns zwei, das sich zum Wind auch noch feuchteKälte hinzugesellt. Das wäre auch wäschetechnisch gar nicht möglich gewesen. Meine Schuhe bestanden aus Leder, ein notwendiges komplettes Abdichten warnicht möglich. Von meinem Zelt rede ich gar nicht erst. Der Winter zog seine Schleppe nur langsam vom Norden ab. Die Eismassen, die im Winter von Norden her kommen, waren '93 bis an die nördliche Küste herangekommen. Bis auf 66°N. Da kamen auch schon mal Eisbären angelaufen, wie man uns sagte. Ihnen zu begegnen, soll nicht das ungefährlichste sein... Also nutzen wir die Gunst der Stunde, und fuhren unter einem energischen Seitenwind in Richtung Porslakshöfn, im Süden gelegen, mit Fährverbindung zuden Westmännerinseln...Wir kamen gut voran. Die Straße hatte ihren Namen zu recht, so dass wir mit einem 30er Schnitt vorankamen, was eine echte Labsal bedeutete. Nach zweiStunden und 50 Kilometern gab es dann die erste Kafferunde, mit Eis natürlich. Die Isländer lieben Eis. Die meisten wenigstens. In allen Altersklassen. Ein 80-jähriger aß nicht unbedingt weniger davon als ein Kind;-) Also zwei Portionen zu drei Mark sowie den Kaffee für etwa drei Mark. Ach ja, Kaffee: Die erste Tasse wird bezahlt, die nächste(n) gibt's gratis. Was natürlich exzessiv genutzt wurde, von *einigen* Touris. Manche am Campingplatz, welche über die Preise der isländischen Luxuswaren herzogen, berichteten im nächsten Atemzug von einer dreistündigen Kaffeesauferei. Oder so ähnlich. Man müsse die entgangenen Freuden ja wieder kompensieren. Mich juckte das an dem Tag alles recht wenig, denn ich darf ihn getrost alsschönsten bezeichnen, wenigstens in Hinsicht auf das Radeln. Wir verließen die Cafeteria, und bogen etwa 500m weiter rechts ab, auf die Straße Richtung Porlakshöfn, was sich im übrigen Thorlakshöb, mit englischem "th", wie"those", spricht. Der isländische Buchstabe für das th ist nicht verfügbar.S sieht aber fast wie unser p aus. Noch etwa 40 Kilometer waren noch zu fahren, so ließen wir uns entsprechend Zeit. Der Wind schob uns mehr, und mit dem Treten war bei etwa 50km/h Schluß, die Beine rotierten zu sehr. Auf einer leichten Gefällstrecke dann stach mich der Hafer, und gab das letzte an Leistung ab. 55km/h. Den Rest besorgte das Gefälle. Bei scheinbarem Windstillstand reichte es noch bis 72km/h, ich klemmte den Rahmen zwischen meine Knie, so blieb die Sache stabil. Dann aber in die Eisen, denn die nächste Kurve folgte, und nach einer Endlos-Bremsaktion war ich auf 20 km/h, ein besseres Tempo für eventuell auftretende Hindernisse oder Schlaglöcher. Etwa zwanzig Kilometer vor der Stadt dann machten wir halt. Wir hatten einen guten, windgeschützten Platz gefunden, wo wir unsere Zelte aufschlagenkonnten. Und abermals wurde mir klar, warum Dirks Zelt eben das dreifache kostete. Er war nach vier, ich nach 24 Minuten fertig, denn auch hier war der Humus nicht sehr dick, da müssen 14 Heringe erstmal versenkt werden. Per Münze losten wir aus, wer denn nun Wasser suchen ging, da die Vorräte nicht mehr zum Kochen reichten. Ich war dran, und lief etwa eine Viertelstundedurch die Gegend, bis ich fündig wurde. Ich entdeckte dabei auch zufällig eine Höhle. Sie war die größte ihrer Art auf Island, wie mir ein hinzugekommener Deutscher mitteilte. Die Decke war ebenerdig, in ihrem Inneren lagen mehr oder weniger schwere Gesteinsbrocken, die im Laufe der Zeit wohl von der Decke herabstürzten. inige lose sitzende Brocken an der Decke schienen das gleiche Schicksal zuhaben, denn durch das Regenwasser erodierte der hochgedrückte Deckel. Ichv erabschiedete mich schnell von dem Deutschen, und machte mich auf den Rückweg zu Dirk, wo wir etwa fünfzig Minuten später aßen. Das Mahl war erfrischend, weil es auch Bananen enthielt. Bananen könnten bald zum isländischen Exportartikel werden, so mein Gedanke, sie züchteten sie in Gewächshäusern...Zeitig, etwa gegen Mitternacht, gingen wir zu Bett. Die Ruhe war himmlisch...

Donnerstag, 29.07.

Der Wind war in der Nacht wieder erwacht, und bescherte mir erhebliche Probleme beim Zelt zusammenlegen. Wir hatten nur kurz gefrühstückt und anschließend gleich eingepackt. Dann schoben wir los, und es machte eine höllische Arbeit, die Fahrräder über den Sandweg zu schieben. Die Felgen verschwanden komplett mit den Mänteln im Sand. Wir kamen tüchtig ins Schwitzen, 500 Meter können weiter werden, als man denkt. Als wir die Straße wieder erreicht hatten, machten wir erstmal eine Pause von zwei Minuten. Den Puls wieder beruhigen. Wir stiegen auf, und der Wind beschleunigte mich später dann auf siebenundachzig Stundenkilometer. Da fing der Rahmen an rumzuschloddern, ich recht verängstigt erstmal in die Eisen, dem chaotischenein Ende bereiten, so mein Gedanke in dem Moment. Im wahrsten Sinne des Wortes waren wir dann in Windeseile in Porlakshöfn, bei einer*Schnittgeschwindigkeit* von sage und schreibe 54 km/h. Denn mit etwa 60 km/hkam der Wind von hinten:-)))Dort begaben wir uns zum Fahrkartenschalter, und bekamen gratis noch zwei Päckchen Kondome mit, für alle Fälle, wie uns die junge Bedienstete mitteilte...Wir bestiegen das Schiff, und erfuhren nebenbei, dass ein Fest stattfinden solle, das ursprünglich eine Thing-Versammlung war. Die Isländer der Westmännerinseln konnten in einem Jahr nicht an der großen Thing-Versammlung auf der Hauptinsel teilnehmen. Das war sowas wie eine Beratung untereinander, eine echte Demokratie, in der auch die Gerichtsbarkeit untergekommen war. Einmal im Jahr, am ersten Montag im August, fand er statt. Die Leute machten daraufhin einen eigenen Thing, der sich nach Einführung der eigenen Parlamenterie zu einem Fest wandelte. Aber was für eines... An Bord waren sehr viele junge Leute, und ich fragte mich, warum sie denn wohl in so großer Zahl mit diesen roten Ganzkörperanzügen durch die Gegend liefen. Wir machten uns auf, auf dem Sonnendeck der Herdolsfjördur die Landschaft zu bewundern. Im Süd-Osten war die Inselgruppe dann zu entdecken. Monolithen gleich, standen sie dort im Meer. Hemaey ist die einzig bewohnte Insel, auf der 1973 ein gewaltiger Vulkanausbruch fast alles Leben unmöglich gamacht hätte, wenn die Fladen-Lavamassen den Hafen verschlossen hätten. In kürzester Zeit sind Frauen und Kinder evakuiert worden, von der Mutterinsel kamen freiwillige Helfer. Ineinem Akt der Verzweiflung versuchte man, die Lava abzukühlen. Mit Wasserspritzen suchte man die Lava derart abzukühlen, dass sie zum stehen käme. Was gelang. Es wurde nicht gefragt, welche Chancen im Kampf gegen dieErdgewalten bestanden- man ging an die Arbeit. Durch die Asche des Vulkanswurden sämtliche Grünflächen abgedeckt, und selbst sie wurden nach gründlicher Reinigung wieder nutzbar. Der Gedanke an den Gemeinschaftssinn der Isländer ließ mich erschauern. Das ist mir leider sehr fremd geworden. Surtsey, die Vogelinsel. Sie entstand durch den gleichen Ausbruch. Auf ihr leben nur Vögel, und Wissenschaftler, die die Bildung eines Biotopes erleben wollen. Aus dem Nichts...Das Auseinanderdriften der nordamerikanischen und der europäischen Plattesorgt in der Feuerspalte für ständige vulkanische Aktivitäten. Die Hekla im Süden Islands ist der aktivste Vulkan, aber schon lange überfällig... Die Laki-Spalte, die vom Süden aus nordwärts führt, ist stellenweise an der Oberfläche so heiß, das man sie nicht mit der Hand berühren kann. Gummisohlen werden weich wie Gel... Wir erreichten die Insel, die Hafenmole lag geschützt in einem Naturhafen. Vögel, das ganze Felsenrund des Hafens war voll von ihnen. Einige Grotten und Höhlen gab es auch, das kristallklare Wasser leuchtete sie recht mystischwirkend aus.Wir wollten natürlich, da wir reich bepackt an Lebensmitteln waren, einliebliches Flecken finden, um die Zelte aufzubauen. Zu dem Zweck fuhren wir mit dem Rückenwind in Richtung Süden, doch nichts brauchbares war auszumachen, keinerlei Windschutz... Also wieder zurück. Ein Isländer winkte uns zu, und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte die Geschichte von dem Thing auf dem Festland, und dem Sturm, der das Meer zerwühlte... Die höchste jemals auf Island gemessene Windgeschwindigkeit betrug 61m/s. Das ist kein Witz. Gemessen wurde diese Geschwindigkeit auf den Westmännerinseln. Na danke. 220 km/h, dagegen war alles bisherige bloß ein laues Lüftchen..."Das wird das schönste Fest, welches ihr jemals erleben werdet. Ihr könnt essen, trinken, und fi**....Und es ist dabei auch noch sehr billig". So seine Worte. Wir machten uns also auf, zurück in den Norden der Insel, wo wir auf dem Campingplatz ein gemütliches, recht abseits gelegenes Plätzchen fanden. Es war zwar erst Donnerstag, aber nichtsdestotrotz strömten immer mehr junge Leute auf den Campingplatz; nach etwa einer Stunde waren unsere Zelte umringt.Jede weitere Fuhre der Fähre brachte noch mehr, am Ende war das Camping-Areal wirklich voll, nur noch Pfade ließen den Gang durch die Zeltreihen zu. Niemals sah ich so viele Zelte auf so dichtem Raum. Nach Norden erhob sich ein gewaltiger Vulkankamm, an dessen Rückseite Lundis, Papageientaucher, ihre Brut heranzogen. Die Felswand fiel senkrecht ins Meer ab, am Volksfeiertag maßen hier die jungen Vogeleiersammler ihre Kräfte. Sie hangelten sich an Seilen ab, um an die begehrten Lundi-Eier zu kommen. Dem Erfolgreichsten winkte die Aussicht auf eine schöne Frau, und wer mag ihm da noch den lebensgefährlichen Abstieg vergönnen;-))Zum normalen Bild an diesen Tagen gehörte auch ein Cola-Tank um den Hals.Sechseckig, und in der Regel ein sehr feuriges Getränk innehabend. Oben ein Loch für einen Strohhalm, und mit einem Dreh-Verschluß versehen. Inhalt etwa ein Liter. Der Strohhalm konnte mittels diverser Befestigungen an der Kleidung oder auch am Körper angebracht werden, auf diese Art und Weise war er wohl auch ständig, bei allen Gelegenheiten an diesem Wochenende an 70 Prozent aller Isländer zu finden. Ja, auch beim Frühstück am Freitag. Oder beim Zähneputzen... Wir unterhielten uns am Abend mit vielen Leuten. Und bekamen auch die Antwort auf die Frage nach den Überlebensanzügen, die zum Teil vortrefflich gegen Kälte schützten. Sie sehen wie Thermokombis für Motorradfahrer aus und leuchten zumeist stark orange-gelb. Einige Isländer seien bei diesen Feierlichkeiten schon stark unterkühltworden. Irgendwann völlig benebelt irgendwo zusammengesackt. Diverse Proben vom Selbstgebranntem bekamen wir angeboten. Es war zumeist 80prozentiges, gemischt mit diversen Fruchtsäften. Wir bevorzugten den Daniels,an dem wir *genüßlich* schlürften. Ungläubige Blicke trafen die Buddel, sowas kostet ein kleines Vermögen auf Island. Zollfreier Sprit. Für die Literflaschemußte ich etwa 35 Mark berappen, am Hamburger Flughafen...Ein Isländer, er war 19, zeigte uns ganz stolz seinen vier Liter großen Vorratan 80-90%igem. Zwei Liter für sich, die anderen zwei möchte er verkaufen, denn die Reise aus dem Norden ist für einen mittellosen Isländer nicht eben billig. Etwa 400 Mark kostet das Rundreiseticket für den Bus. Er fragt nach unserem Bedarf, und wir probieren. Extrem scharf brennt das Zeug auf der Zunge, echtes Feuerwasser, wir lehnen dankend ab. Auf dem Weg zurück zu unseren Zelten, wir waren doch recht müde geworden, fiel uns eine Besonderheit auf, die sich sofort erklärte. Nur sehr einfache Zelte waren aufgebaut worden, nichts besonderes, das wertvollste mochte einen Hundertmarkschein gekostet haben. Da kam eine potentielle Alkoholleiche, unds tolperte, wie soll's anders gehen, über eine Abspannleine. Er gerät ins Wanken, und kippt um, in ein Igluzelt, welches unter lautem knacken und reißenseinen Dienst endgültig quittiert, ein lautes Fluchen macht sich breit im flachgelegten Zelt, wo zwei Konturen sich bewegen...Ich flachste mit Dirk, wieviele Komatote den schönen Rundbogen seines Nallo jetzt wohl schmückten;-)An Schlaf war nicht zu denken, erst etwa gegen drei Uhr, es war sehr dunkel,kam der Platz zur Ruhe.

Freitag, 30.07.

Um 10 Uhr erwachte ich, der erste Kampflärm war zu hören. Nach dem Frühstück ging es dann hinaus, zu weiteren Schwätzchen mit den Einheimischen. Sie fragten, ob wir denn deutsches Bier dabeihätten, was ich verneinte, und auf vier Liter Kuhmilch hinwies, was Gelächter nach sich zog;-) Man warnte uns vor den Dieben, die des öfteren Wertgegenstände verschwinden ließen, ob wir unsere Sachen denn in den Containern vorne abgegeben hätten, was ich bejahte. Nur die Lebensmittel hatten wir mitgenommen, in zwei großen Packtaschen. Für die Aufbewahrung der Sachen für einen Tag mußten wir pro Person etwa 20 Mark lockermachen, was auch nicht eben billig war. Naja, die Räder fraßen auch einiges an Platz in den drei relativ kleinen Containern...Der Preis für das Campen am Wochenende haute mich von den Socken. Wir sollten umgerechnet 150 Mark pro Person bezahlen, ansonsten bekämen wir die Plaketten nicht, die an jedem Zelt angebracht sein müssen. Und außerdem gäbe es ja auch ein paar Sehenswürdigkeiten, wie etwa ein riesiges Palettenfeuer, ein Feuerwerk, eine Band, viel zu Essen, zu trinken, und natürlich die wilde Orgie...Wir packten, ich ging ein letztes Mal zur Post, und wir begaben uns auf die Suche nach einem Supermarkt. Vergebens allerdings: Ein Isländer, den ich fragte, sagte mir, um zehn Uhr hätten sie alle geschlossen, wegen des so wörtlich "Sauf- und Bumsgelages". Jede Familie des Ortes würde ein Festzelt aufstellen, wo es reichlich zu essen und trinken gäbe. Na denn. Wir fuhren also nochmal zurück. Und tatsächlich. Weiße Zelte, in Reih und Glied, wurden aufgestellt. Ein Treiben wie auf dem Ameisenhaufen.Wir brachen endgültig wieder auf, und mußten etwa eine Stunde an der Moleverbringen. Malerisch lagen die Boote in ihr fest, das klare Wasser gestatteteden Blick bis auf den Meeresgrund. Die schmale Hafeneinfahrt bot einen unglaublichen Schutz; nur leichte Wellenhügel erhoben sich etwa 20 cm aus der glatten Fläche.Die "Herdolfjördur" war bis zum Bersten gefüllt, es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis sich der Trubel wieder gelegt hatte, am Kai, wo sich bereits die Partner an die Hände genommen hatten...Die Fährfahrt war wundervoll still, nur wenige hatten mit uns die Inselgruppe wieder verlassen. So saßen wir auf dem Sonnendeck, und ließen die eindrucksvolle Inselgruppe auf uns wirken. Nur das Geschnattere der Silbermöven war zu hören, die Maschine brummte leise und zufrieden...Als wir das Festland, wen man es denn so bezeichnen möchte, erreichten, begrüßte uns gleich eine in der Zahl noch weiter gewachsene Gruppe von Teens, die uns ungläubig fragten, ob wir denn nicht die falsche Richtung eingeschlagen hätten. Als wir verneinten, kamen die Wirtschaftlichkeitsaspekte mal wieder auf den Tisch. Insbesondere die Libido-Aspekte wurden wiederbetont... Als prüde möchte ich die Isländer nicht bezeichnen, mich auch nicht, aber miteiner völlig breiten Isländerin ins Zelt? Nein, da mußte man schon selbstvöllig abgefüllt sein, das machte aber sicherlich nicht die Freude, die ich vom Paarungsakt bei vollem Bewußtsein habe. Da wurden die Mädels nur zu oftvon den galanten Herren ins Zelt *getragen*. Gut. Wir machten uns auf, einen Schlafplatz zu suchen, und landeten automatisch an der Nordseite einer Düne im Sand. Die Düne gab einen weiten Blick frei, etwa 100 Kilometer Strandlinie waren zu sehen, die Westmännerinseln konnten wir im Dunst über dem Wasser auch noch sehr gutausmachen, wenn auch nur als kleine Erhebungen in der endlosen Wasserfläche. Wir gingen an den Strand, und suchten ihn nach Knüppeln ab, da die Heringe keinerlei Halt fanden im Sand. Da lag auch genug 'rum, und dann gab es diewohl abenteuerlichste Zeltabspannungsaktion. Meine beiden Eisenstangen, welche die rechteckige senkrechte Tür umrahmten, mußte ich mit größeren Steinen fixieren. Das sah aus...:-)Wir beobachteten die Vögel am Strand, auch einige Greife waren zu beobachten, die allerdings wurden von den Möven scharf attackiert, näherten sie sich denBrutplätzen zu sehr. Nach der Begutachtung der Reste unserer Verpflegung aßen wir dann Tütenblumkohlsuppe mit Tortellinis, ein wenig Käse reicherte die Sache nochein wenig an.

Samstag, 31.07.

Wir erwachten um sieben Uhr, die Sonne schien in mein Zelt, keine Wolke am Himmel. Die Nacht war sehr erholsam, keine krakeelenden Besoffenen weit und breit. Ein paar Seevögel, die hin und wieder mit ihrem Gekrächze auffallen,und die Brandung des Meeres stellen die einzige Geräuschkulisse dar, neben meinem Zelt, welches hin und wieder im Wind wiegt. Die Reißverschlüsse klapperten, ich beklebte sie von daher später mit Isolierband. Ich hatte den Eindruck, der Wind frische bereits wieder kräftig auf. Nach dem Frühstück brach ich auf in den Ort Porlakshöfn, Milch und Brot ergattern. Am Ortseingang saß ein Mann, er winkte, und so blieb ich stehen. Er sagte, er sei Pole, ein Seefahrer. Vor ihm lag eine Plastiktüte. Als er sie öffnete, kamen zwei Flaschen Vodka zum Vorschein, er wolle sie mitnehmen zu den Westmännern...Ein dicker Kloß belegte meinen Hals. Mir wurde echt anders. Er bat mich, ihm doch bitte eine Schachtel Zigaretten mitzubringen, was ich zusagte. Er war schon ziemlich angetrunken, und bot mir eine der beiden Flaschen an, ich möge trinken - was ich lieb und nett ablehnte. Er gab mir Geld für die Zigaretten, und ich fuhr weiter. Der Supermarkt war dicht, und ich versuchte mein Glück an einer Tankstelle, wo eine Frau mir mitteilte, der Supermarkt würde erst um ein Uhr Mittags öffnen. Merkwürdig,ich traute den Worten nicht so recht, um ein Uhr *öffnen?* Zu dieser Zeit sollte er doch normalerweise *schließen*, so mein Gedanke... Ich brachte dem Polen seine Zigaretten, das Wechselgeld allerdings lehnte er ab. Wieder angekommen erzählte ich Dirk von der Story. Auf den Westmännern mochte man sie icht sonderlich. Weil sie den hiesigen Arbeitsmarkt belasteten. Die liebe Fischerei...Dirk und ich beschlossen, noch ein wenig zu verweilen, denn wir hatten ja Zeit. Ich lümmelte mich mit meinem Feldstecher auf der Düne, und schaute den großen Krawall am Strand, wo der Eine manchmal den Anderen jagt. Lahm packten wir zusammen, alles ganz eng wickeln...Wir starteten also, kauften ein, mit Rückenwind hin:-), mit Gegenwind zurück,allerdings nur Stärke 2-4, in Böen 6. Das war zu ertragen, und so düsten wir wieder an unseren Zeltplätzen vorbei, Richtung Norden. Schließlich landeten wir an der Tankstelle, wo die obligatorische Tasse Kaffee getrunken wurde. Nach zehn Minuten dann etwa ging die Arbeit los. Den Job teilten wir uns. Ich fuhr vorn, Dirk im Windschatten. Etwa fünf Minuten. Dann wechselten wir, und ich machte mich sehr klein. Das entspannt ungemein, allerdings ist kaum ein Wortwechsel möglich. Naja, wir wollten 'eh nach Reykjavik, nochmal ein bischen mit anderen reden, über deren Erlebnisse. Das war's bis zu diesem Punkt.Am nächsten Tag fuhren wir komplett durch, und legten etwa 70 Kilometer zurück, Schnitt 12.8 km/h. Der Wind frischte auf. Wir wechselten öfter, undkamen gegen vier Uhr Mittag an. Dort blieben wir. Am Vorabend des letzten Abends, bevor wir zum Flughafen fuhren, machte ich noch jede Menge Dias, ein sehr imposantes Basaltgestein hielt mich gefangen. Am nächsten Morgen dann knallte es nochmal. Kein Mantel mehr, Dirk brauchte seinen selbst...Ich schob also die acht Kilometer zügigen Schrittes. Dirk sein Fahrrad war nun beladen wie ein Ochse, da mein Hinterrad keinerlei Belastung mehr standhielt.Pünktlich erwischten wir den Flieger, aber nicht, ohne vorher die Fototasche mit zwei Litern J.D. bestückt zu haben...So, dann ging es am nächsten Abend gen Bremen, ab, in's traute Heim... Eines muß ich aber sagen. Ich werde diese wunderbare Insel nicht vergessen, da ich erstmals beschlossen habe, sie ein zweites Mal zu bereisen. Mit der MS Norrönavon Esbjerg zu den Faröer-Inseln, dort wandern, und dann nach drei Tagen ab nach Island. Dauert sechs Tage oder so. Und dann die Hekla südlich liegenlassend, gen Norden. Ohne Wege, aber immer zwischen den Platten...Ein Wanderer faselte etwas von 'noch nie geseh'n'...Die Natur ist ein ganz eigenes Ding. Selten erlebt man die Urgewalten der Erde so nah. Die Formen und Farben sind unbeschreiblich. Ich komme wieder, perPedes, mit einem höllischen Muskelkater am Morgen des zweiten Tages. Nach drei Tagen ist das dann vorbei, danach genieße ich die Wanderung...und wech,

Frank