This is not the original article. The original was once on the web, but for some reason taken off. Because I believe that any article about cycling in Iceland is worthwhile, I saved a copy and publish a slightly edited version here. If you are the owner and don't want this, then please contact me. I will remove it right away.
  • Author : Christoph Mettke and Marcus Pabsch
  • Original URL : http://privat.schlund.de/m/mpabsch/
  • Available at www.archive.org : Yes


Im August 1996 sind wir nach Island gefahren, um ein europäisches Land mit jüngster geologischer Vergangenheit, einer reizoll anderen Flora und Fauna, einem rauhen Klima und netten Bewohnern kennenzulernen. Wir wollten die enge Verbindung von Feuer, Wasser und Erde möglichst nah erleben.

Wir, das sind Christoph Mettke und Marcus Pabsch

Dazu haben wir das Fahrrad als Verkehrsmittel gewählt, weil es uns riesigen Spaß macht, längere Radtouren zu unternehmen und weil wir der Meinung sind, daß sich auf diese Weise die jeweilige Umgebung am besten wahrnehmen, erleben läßt.

Wir wünschen allen Interessierten viel Spaß und freuen uns natürlich über Hinweise, Anmerkungen oder Kritik.

Beachte:
Dieser Tagebuchbericht erhebt nicht den Anspruch eines Reiseführers, es sind lediglich die gesammelten ganz persönlichen Eindrücke einer sehr naturnahen Reise durch ein wunderschönes Land dieser Erde.

Copyright 1997 by Marcus Pabsch




Freitag, 2. August 1996
- Abflugtag -
Etappendaten:  
Km
5,9
Fahrzeit (Std)
0:19
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Um 12.15 Uhr sind die Räder und wir im Sharan von Peter Hoppmann verstaut und wir starten zum Flughafen nach Hamburg. Auf den Autobahnen ist viel Verkehr, so daß wir in Hamburg einen Stau durch Nebenstraßen zu umgehen versuchen. Diese Entscheidung bringt dann aber auch nicht den erwarteten Zeitvorteil, so daß wir zwar noch pünktlich am Flughafen ankommen, das lockere Spazieren über die Shoppingmeile jedoch etwas kürzer ausfällt. Der Check-In ist kein Problem. Zum einen ist die in Kooperation mit Icelandair arbeitende Angestellte der Lufthansa sehr nett, zum anderen werden unsere Fahrräder nicht gewogen!

Um 17.30 hebt unsere Maschine (Boeing 737-400) bei guter Sicht vom Hamburger Boden ab. Es gibt einen kleinen Snack, bevor wir um 18.10 bereits wieder Boden unter uns haben - Zwischenlandung in Kopenhagen. Der Flughafen ist sehr groß und hat eine riesige Shoppingmeile im duty-free-Bereich. Um 19.30 heißt es schließlich nach Island mit guter Sicht und etwas Hunger im Bauch aufzubrechen. Der Steigflug ist noch nicht ganz abgeschlossen, da gibt es auch schon eine leckere Hähnchenkeule mit Möhren, Reis, Bohnen, Pastete, Brötchen und Apfelkuchen. Nach dem Essen dösen wir etwas über dem Nordatlantik, werden jedoch bald wieder hellwach, als wir die Küstenlinie von unserem Urlaubsziel erreichen. Durch die löchrigen Wolken haben wir eine herrliche Aussicht auf den Vatnajökull, den Skeitharasandur, Eisberge und beeindruckende Flußläufe. Um 20.40 Uhr Ortszeit landen wir fast pünktlich auf dem internationalen Flughafen in Keflavik.

Nach den ersten Schritten auf Island fühlen wir uns gleich sehr wohl. Der Flughafen ist recht klein und sehr gemütlich, die Leute sind sehr nett und freundlich. Wir können die Kartons unserer Fahrräder am Gepäckservice lassen (leider ohne Garantie über das Vorhandensein beim Rückflug) und erhalten auch Tips, wie wir den Campingplatz erreichen. Nach dem Montieren der Fahrräder und dem Packen der Taschen geht's um 20.00 Uhr in Richtung Zeltplatz.

Dieser Zeltplatz ist recht gut, mit Aufenthaltsraum, Küche, Wiese und Büschen zum Windschutz. Beim Zeltaufbau ist es windstill und Trocken, später in der Nacht kommen Regen und Wind auf.

Samstag, 3. August 1996
- Keflavik - Pingvellir -
 
Etappendaten:  
Km
98,5
Fahrzeit (Std)
5:05
Durchschnittsgeschwindigkeit
19,3
Maximalgeschwindigkeit
52,1

Nach dem ersten Einkaufen (der Supermarkt öffnet um 10.00) brechen wir um 12.15 in Richtung Reykjavik auf. Die Straße ist sehr gut (Asphalt) und etwas hügelig. Bei relativ gutem Wetter ( teilweise kommt die Sonne raus) geht es durch Lavafelder und an vielen Vororten vorbei zur nördlichsten Hauptstadt der Welt. Je näher wir der Innenstadt kommen, desto breiter werden die Straßen (teilweise sechsspurig) und dichter der Verkehr (nervt etwas). Nach rund 50 Kilometern erreichen wir die Innenstadt. Wir schauen uns dort ein bißchen um und machen die erste Bekanntschaft mit den leckeren und üppigen Snuthurs (große Schnecken vom Bäcker).

Nach der Stärkung brechen wir bei zunehmend schlechtem Wetter wieder auf, um die Hektik der relativ großen Stadt möglichst schnell hinter uns lassen zu können. Ich sehne mich nach etwas ruhigeren Orten. Zunächst ist der Verkehr auf der Ringstraße noch sehr stark, aber mit Hilfe eines Rückenwindes (heftiger Regen inklusive) sind wir bald am Abzweig nach Thingvellir (rund 5 Km nach Mosfellbaer). Die Straße ist immer noch recht gut und asphaltiert, jedoch geht es nun deutlicher bergan. Die Landschaft, die wir durchfahren ist sehr grün. Saftige Wiesen mit einigen Pferden säumen die Straße. Wind und Regen nehmen weiter zu (Man kann es auch als "leichten" Sturm bezeichnen). Beides kommt glücklicherweise schräg von hinten, so daß es uns die Hügel mit Geschwindigkeiten um 35 km/h die Hügel "hinaufbläst". Auf geraden Streckenabschnitten und bergab müssen wir bremsen, um nicht die Kontrolle auf der nassen Fahrbahn zu verlieren. Plötzlich kommt der Thingvalavatn ins Blickfeld und wenig später erreichen wir die Almanngja. Sie vermittelt uns einen ersten, sehr einprägenden Eindruck vom Auseinanderdriften der Kontinentalplatten. Vom Einstieg in die Schlucht können wir einen grandiosen Ausblick über den Thingvalavatn und den Nationalpark Pingvellir genießen.

Der Zeltplatz liegt relativ windgeschützt, warten allerdings lediglich mit einem Toilettenhäuschen auf.

Sonntag, 4. August 1996
- Pingvellir - Gullfoss -
 
Etappendaten:  
Km
79,2
Fahrzeit (Std)
5:19
Durchschnittsgeschwindigkeit
14,9
Maximalgeschwindigkeit
41,4

Zunächst geht es vorbei an bis zu 20 Meter breiten und 100 Meter langen Rissen und Spalten in der Erde durch das Tal zwischen europäischer und amerikanischer Kontinentalplatte und auf der Thingvellir gegenüberliegenden Seite hinauf aus dem Tal heraus. Dabei bieten sich immer wieder herrliche Aussichten zurück zur Almanngja und den Thingvallavatn. Das Wetter ist relativ gut, die Wolken reißen oft auf und der Wind schiebt uns von schräg hinten kommend etwas den Berg hinauf. Nach sechs Kilometern verlassen wir die asphaltierte Straße und biegen nach links auf eine recht sandige Schotterpiste und Richtung Laugarvatn ab.

Das Fahren auf dem sandigen Untergrund ist mühselig, so daß wir nur mit geringer Geschwindigkeit vorankommen. Nachdem wir ein weites Tal und einen weiteren kleinen Anstieg passiert haben geht es zum Laugarvatn hinab. An der Tankstelle in der kleinen Ortschaft Laugarvatn am See stillen wir unseren mittäglichen Hunger mit Brot und Snuthurs. Wir versorgen uns mit Vorräten für die nächsten Tage, denn dies ist die vorletzte Einkaufsmöglichkeit vor unserer Hochlandüberquerung (letzte ist am Geysir, teuer), so daß wir erst auf der anderen Seite der Insel wieder die Möglichkeit zum Einkaufen haben werden.

Weiter geht es fast eben an grünen Tälern und Ferienhäusern, umringt von ein paar Bäumen (!!!), vorbei auf überwiegend asphaltierter Straße in Richtung der Geysire. Immer wieder unterbrechen einige Kilometer Schotter die komfortable Asphaltdecke. Nach einigen Kilometern und Biegungen sehen wir schon von weitem die Fontäne des Strokkur emporschießen. Wir schauen uns das beeindruckende, pulsierende Naturschauspiel aus der Nähe an und radeln dann weiter zum nächsten "Highlight" dieser Etappe; dem Gullfoss, der sich durch seine aufsteigende Gischt und sein Getöse ebenfalls bereits frühzeitig ankündigt. Das Wetter ist mittlerweile immer besser geworden, so daß wir einige schöne Fotos vom gewaltigen und sehr schönen Wasserfall aufnehmen können.

Leider ist das Zelten in der Nähe des Gullfoss verboten, so daß wir vor der Entscheidung stehen zu einem Zeltplatz zwei Kilometer zurückzufahren oder in Richtung der Kjölur aufzubrechen und auf eine geeignete Stelle zu hoffen. Wir entscheiden uns für die progressive Variante, füllen unsere Wassersäcke und brechen ins Hochland auf. Bereits wenige Kilometer hinter dem Gullfoss ändert die Landschaft ihr "Gesicht", das Gras, das bislang stetig den Wegesrand säumte und die Insel immer sehr grün und bewachsen erscheinen ließ, wird von nackten Steinen, etwas Moos und einigen sehr kleinen Pflanzen abgelöst. Wir finden lange keinen geeigneten Zeltplatz, bis wir auf den Gletscherfluß Sandá stoßen, an dessen Ufer wir in der Nähe einer " Fishing-Lodgia " einen schönen windgeschützten Platz für unser Zelt ausmachen. Der herrliche Tag geht mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und einer kräftigen Portion Spaghetti zu Ende.

 
Montag, 5. August 1996
- Gullfoss - Hvitarvatn -
Etappendaten:  
Km
27,6
Fahrzeit (Std)
3:21
Durchschnittsgeschwindigkeit
8,2
Maximalgeschwindigkeit
25,7

Bereits als wir das Zelt abbauen beginnt es zu regnen. In der folgenden Stunde frischen Wind und Regen immer weiter auf, so daß wir bereits nach einer 2,5 Kilometer "langen" Tortur gegen Wind und Regen (bei einer nur leichten Steigung ist im kleinsten Gang kein Vorwärtskommen möglich, 5 Km/h) den Entschluß fassen, umzukehren und in der Nähe der Hütte das Zelt erneut aufzuschlagen. An der Hütte angekommen werden wir von mehreren Isländern nachdrücklich dazu aufgefordert, doch in die trockene Hütte zukommen. Angesichts der Wetterlage eine sehr willkommene Einladung.

Die acht Isländer sind mit ihren 64 Islandponys auf einer Urlaubsreise über ihre Insel. Sie sind bei diesem Wetter erst gar nicht aufgebrochen, sondern haben es sich bei mehreren Bechern "Wiking-Water" (ein selbst hergestelltes hochprozentiges Getränk aus 2 Liter Cola-Flaschen), selbstgeräuchertem Schinken vom Schaf und in einer Milchtüte geothermal gebackenem Brot recht gemütlich gemacht. Wir bekommen gleich zur Begrüßung eine milde Version des Getränks (ein Tropfen Cola ist beigefügt) in die Hand gedrückt und kommen schnell über unsere weiteren Reisepläne und das Leben der Isländer in dieser doch recht rauhen Natur ins Gespräch. Sie sind trotz des alkoholisierten Zustands (11 Uhr Vormittag) sehr nett und es macht Spaß mit ihnen zu plaudern. Besonders lustig wird es noch als ein Bus mit schweizer Touristen eintrifft, die in zwei Etappen eine "Brotzeit" in der Hütte abhalten. Wir fühlen uns in dieser Situation eigentlich eher den Isländern verbunden, reisen wir doch auf eine sehr ähnliche, naturverbundene und den Naturgewalten unmittelbar ausgelieferte Art über die Insel und nicht im bequemen Reisebus.

Nach einigen Liedern (es gab einen regelrechten Gesangswettbewerb zwischen den Isländern und den Schweizern) und einigen "Kämpfen" mit Schwert und Schild unternehmen wir am frühen Nachmittag einen weiteren Anlauf. Zumindest der Regen hatte aufgehört, so daß wir "lediglich" gegen den Wind anzukämpfen hatten. Dieser tat sich nach einigen Kilometern mit der zunehmenden Steigung zu einer ziemlich brutalen Mischung zusammen, die uns beide dann auch plötzlich und gleichzeitig umwarf. Im kleinsten Gang "drücken" wir uns die Berge mühselig hoch und "drücken" (!!!) uns mit 11 Km/h die wenigen Abfahrten hinunter (das ist schon sehr demotivierend). Wenig später kommt uns jedoch ein Radfahrer entgegen und bringt uns die frohe Kunde von der nahen Kuppe der Strecke mit. Dort angekommen bin ich auch am Ende meiner Kräfte und sinke an Pistenrand nieder. Ein fetter Kuchen bringt mich wieder auf die Beine und wir radeln hinab zum Hvitarvatn, unserem korrigierten Etappenziel. Dieser Gletschersee liegt am Fuß des Langjökull und ab und zu schwimmen Eisberge auf ihm. Wir zelten windgeschützt direkt neben der Schutzhütte, obwohl der Wind bereits nachgelassen hat. Nach einer reichhaltigen Portion leckerer Reispfanne kommen Wärme und Lebenskraft auch in meinen Körper zurück.

 
Dienstag, 6. August 1996
- Hvitarvatn - Blöndulon -
Etappendaten:  
Km
97,2
Fahrzeit (Std)
7:31
Durchschnittsgeschwindigkeit
12,9
Maximalgeschwindigkeit
30,2

Der Morgen begrüßt uns mit bedecktem Himmel, aber es ist absolut windstill!!! So machen wir uns gut gelaunt auf den Weg durchs Hochland. Zu unserer Linken eröffnet sich immer wieder ein schöner Blick auf den Langjökull und auf der rechten Seite kommt bald der Hofsjökull hinzu. Nach einigen Kilometer und einigen Hügeln erreichen wir den höchsten Punkt der Hochlandroute. Der sehr geringe Verkehr und die Windstille verdeutlichen uns die Abgeschiedenheit dieser Gegend auf eindrucksvolle Weise. Es ist ein wunderbares, ja fast beängstigendes Naturerlebnis, wenn man anhält und der Geräuschpegel auf absolut null absinkt.

Die mit jedem Kilometer schlechter werdende Piste (tiefes Wellblech über die gesamte Fahrbahnbreite) setzt neben unseren Handgelenken nun auch zunehmend unseren Rädern zu. Das Resultat ist ein Speichenbruch nach 42,5 Km an Christophs Hinterrad. Dies stellt aber kein größeres Problem dar, nach rund 10 Minuten Reparatur können wir die Fahrt fortsetzen. Nach etwa 64 Km erreichen wir das Thermalgebiet Hveravellir um 15:45 Uhr. Hier brodelt und raucht es aus mehreren Löchern. Um die heißen Quellen und Fumarolen gesellen sich ein paar Hütten und ein Zeltplatz. Der kleine warme Bach ist an einer Stelle zu einem kleine "Pool" aufgestaut. Wir nutzen natürlich die Gelegenheit und tauchen unsere müden, angespannten Muskeln in das mit ca. 45 Grad C. sehr angenehm heiße Wasser. Die Temperatur läßt sich dabei durch separate Zuläufe von heißem und kaltem Wasser individuell regulieren (auf andere Badende sei dabei allerdings Rücksicht genommen!!). Richtig gut entspannt, erholt und aufgeheizt macht uns sogar das anschließende Umziehen in der 8 Grad C. "warmen" Luft nichts aus. Ermuntert von dem herrlichen Bad und dem stetig besser werdenden Wetter beschließen wir, unser Zelt nicht in die vielen, bereits vorhandenen einzureihen, sondern die Fahrt in Richtung Blöndulon-See wieder aufzunehmen.

Nach 5 Km Hochlandpiste kommt zunächst eine Ernüchterung, mein Lowrider fängt an zu klappern: Der teure High-Tech-Gepäckträger ist gebrochen!!! Und dies an einer Stelle, an der auch unsere mitgeführten Schlauchschellen keine Dienste leisten können. So bleibt mir nichts anderes übrig, als meine alte Ortlieb-Packtasche an Christophs Trägersystem für neuere Modelle irgendwie zu befestigen und auf den Rücken zu schnallen. Immerhin können wir, wenn auch recht unkomfortabel unsere Fahrt fortsetzen.

Das Grün kehrt ins Landschaftsbild zurück und später säumt auch wieder saftiges Gras den Wegesrand. Es ist ein wenig hügelig mit sehr flachen weiten Tälern. Wir überqueren mehrere Flüsse auf Brücken, bei denen unser Reiseführer noch das Furten vorgesehen hatte. Wir nehmen dies mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis, zum einen kommen wir dadurch schnell und trockenen Fußes voran, zum anderen werden wir die Inselüberquerung ohne das "Abenteuer" des Flußquerens hinter uns lassen.

Am Blöndulon angekommen bemerken wir eine Nachlässigkeit: Wir hatten es aufgrund des bislang überall in bester Qualität reichlich vorhandenen Wassers versäumt, rechtzeitig Wassersäcke und ­flaschen zu füllen. Nun stehen wir vor einem riesigen Stausee, der aber nicht ganz gefüllt ist und von einem breiten, undurchdringlichen Schilfgürtel umringt ist. Das fade Wasser zwischen dem Schilf macht leider keinen sehr vertrauenerweckenden Eindruck, so daß wir uns entschließen noch weiter zufahren, in der Hoffnung einen besseren Zugang zum See zu erreichen. Nach einiger Zeit machen wir eine Hütte aus, in deren Windschatten wir für 450 Kr. unser Zelt aufschlagen. Dafür gibt es sauberes Wasser und sanitäre Anlagen.

 
Mittwoch, 7. August 1996
- Blöndulon - Varmalid -
Etappendaten:  
Km
75,2
Fahrzeit (Std)
4:07
Durchschnittsgeschwindigkeit
18,2
Maximalgeschwindigkeit
52,1

Dieser Tag beginnt ziemlich regnerisch. Aber diesmal ist das Wetter wieder gerecht: Wir werden auf unserem Weg zur Nordküste einen starken Rückenwind haben. Doch zuvor bemerken wir beim Bepacken der Räder, daß Christophs (wasserdichte) Packtasche durchgescheuert ist. Sein Gepäckträger muß bereits gestern unbemerkt abgebrochen sein, so daß sich die Tasche an der offenen Bruchstelle aufgescheuert hat. Das Martyrium der Wellblechpiste hatte am gestrigen Tag offensichtlich zwei Opfer gefunden. Nach längerem Probieren und Basteln bekommen wir seine Tasche am übrig gebliebenen Teil des Trägers befestigt, ich nehme meine Tasche wieder auf den Rücken.

Der Regen hat inzwischen weiter zugenommen, aber der Rückenwind, die immer besser werdende "Straße" und das stetige Gefälle wirken sich positiv auf unsere Stimmung aus. Wir verlassen den Stausee und rollen ins immer grüner werdende Tal hinab. Innerhalb kurzer Zeit ändert sich das Landschaftsbild erneut vollständig. Relativ viele einzelne Gehöfte säumen das Tal, Heu wird gerade eingefahren, das rauhe Hochland liegt hinter uns.

Wenige Kilometer bevor wir auf die Ringstraße treffen, wandelt sich der Untergrund der Straße (F37) von feinem Schotter in lehmigen Dreck, so daß wir rein optisch nach einer heftigen Hochlandüberquerung aussehen als wir die Ringstraße nach rund 50 Km um 15:45 erreichen. Die nächste Steigung fordert ihren Tribut von Christophs Hinterrad: 2. Speichenbruch (wieder die Zahnkranzseite). Nach dem Anstieg geht's mehrere Kilometer bergab bis zum Etappenziel Varmalid, daß von dieser Anfahrtsrichtung sehr versteckt hinter einem Hügel liegt. Der Zeltplatz ist recht komfortabel, liegt sehr windgeschützt zwischen einigen Bäumen (!!!!) und hat hinter dem Haus zwei Spülbecken mit warmen Wasser. Das nutzen wir auch gleich, um unser Equipment und die Regensachen gründlich zu reinigen.

Danach geht's erstmal ins örtliche Freibad (ein schönes und sehr gepflegtes Bad), um im geothermal auf 31 Grad C. erwärmten Wasser ausgiebig zu schwimmen. Der Wirlpool heizt uns dann noch so richtig auf, bevor es in den Supermarkt des 250 Seelen Ortes geht. Von diesen Öffnungszeiten (bis 23:30) können wir in der Heimat ja nur Träumen. Wir bekommen alles, was wir brauchen (sogar Babypuder für meinen wunden Allerwertesten) und füllen unsere, im Hochland reduzierten, Vorräte wieder auf.

Donnerstag, 8. August 1996
- Varmalid - Akureyri -
 
Etappendaten:  
Km
97,7
Fahrzeit (Std)
5:49
Durchschnittsgeschwindigkeit
16,8
Maximalgeschwindigkeit
46

Heute geht es auf der Ringstraße in Richtung Akureyri. Wir holen noch schnell Geld und Briefmarken von der Postur, um dann unsere Fahrt an der Vestari-Jökulsa entlang zunächst in Richtung Süden aufzunehmen. Die Gegend ist von der Landwirtschaft geprägt, verstreute Gehöfte säumen die Hänge und das Tal macht einen für isländische Verhältnisse einen sehr fruchtbaren Eindruck. Dem Flußbett ist leicht zu entnehmen, welche Kräfte die Fluten in der Schneeschmelze entfalten. Der Verkehr in dieser Ecke des Landes ist selbst auf seiner Hauptader nicht stärker als auf einer einsamen deutschen Landstraße am Montagabend.

Nach einigen Kilometern auf flacher Strecke am Fluß entlang biegen wir nach links in ein anderes Tal und der Anstieg bis zu Paßhöhe beginnt. Bei leichtem Gegenwind wird das Wetter zunehmend besser und nach einer Weile kommt die Sonne heraus, so daß wir zum ersten mal ohne Jacken fahren und die Wärme genießen können. Die umliegenden Berge gewinnen an Höhe, schneebedeckte Kuppen kommen in Sichtweite. Bei Km 45 erreichen wir die Paßhöhe und schießen hinab ins Tal der Öxnadalsá. Wir kommen in dem einsamen Tal (bis 15 Km vor Akureyri treffen wir auf kein einziges Dorf, lediglich auf ein einzelnes Gehöft ) trotz des Gegenwindes sehr gut voran.

Ohne erklärbaren Grund kommt es auf der leicht abschüssigen und asphaltierten Straße zum 3. Speichenbruch an Christophs Hinterrad. Akureyri kündigt sich dann durch den Eyjafjördur und zunehmenden Verkehr an. Es ist ein netter Ort, bei dem wir ungeachtet der eigenwilligen isländischen Architektur bemerken, daß hier mit intensiver Pflege und mit Liebe zum Detail versucht wird, insbesondere durch die zahlreichen Bäume einen Gegenpol zur Rauhen Umgebung zu schaffen. So ist z.B. der Zeltplatz sehr modern und gepflegt.

Unser erster Anlaufpunkt ist jedoch zunächst der einzige Fahrradladen des Nordens. Unsere Gepäckträger sind ja immer noch von den Hochlandpisten gezeichnet. Die freundlichen Mitarbeiter des Ladens staunen zunächst nicht schlecht über die Reste unserer Gepäckträger. Neue Träger in ähnlicher Qualität haben sie nicht, aber sie grübeln sofort nach, wie man sie am besten reparieren könnte. Wir haben uns auf den zurückliegenden Kilometern unsere Gedanken gemacht, wie diese dünnen Rohre am besten zu schweißen, löten oder zu verstärken sind, so daß wir schnell ins Fachsimpeln geraten.

Mein Lowrider wird schließlich nebenan in einem Kühlgerätebetrieb gelötet und geschweißt, Christophs erhält eine Verlängerung in Form eines abgesägten Skistocks (Olympia Oslo 1982)!!! Christoph füllt noch sein Reservoir an Ersatzspeichen auf (die Statistik ließ ja nichts Gutes erahnen) und ich bin wirklich froh, die Packtasche nicht mehr auf dem Rücken tragen zu müssen.

Der Tag neigt sich dann mit herrlichem Sonnenschein, angenehmen Temperaturen und einer schönen Mahlzeit auf saftig grünem Rasen.

 
Freitag, 9. August 1996
- Akureyri - Godafoss -
Etappendaten:  
Km
52,3
Fahrzeit (Std)
2:59
Durchschnittsgeschwindigkeit
17,4
Maximalgeschwindigkeit
62,2

Am heutigen Freitag geht's bei herrlichem Sonnenschein zunächst in die Stadt. Wir wollen ja noch sehen, zu welchen Kleidungsstücken die Wolle der vielen Schafe, die wir auf unserem bisherigen Weg gesehen haben, verarbeitet wird und vielleicht das ein oder andere Stück kaufen. Der nächste Winter kommt bestimmt. Die Wollfabrik ist die größte auf Island und ihre Produkte sind auch auf dem Festland bekannt. Wir verbringen viel Zeit in den Verkaufsräumen der Fabrik bevor wir uns bei der riesigen Auswahl und der Vielzahl an Mustern für eher ältere Leute für jeweils einen Pullover und Mitbringsel entscheiden können. Da unsere Transportkapazitäten auf den Rädern je nach Vorratsbestand zwischen 95% und 110% ausgelastet sind, ist schnell entschieden, daß die Sachen direkt auf dem Postweg nach Deutschland müssen.

Nachdem die Stadt erkundet ist, brechen wir gegen 14:30 Uhr in Richtung Godafoss auf. Zunächst geht es auf die andere Fjordseite, von welcher sich nach einigen kurzen Anstiegen ein herrlicher Blick auf den Eyjafjördur selbst und die Stadt eröffnet. An diesen Tagen liegt ein großes Kreuzfahrtschiff in der Bucht vor Anker, welches die meisten Häuser der Stadt weit überragt und was dem interessanten Panorama das I-Tüpfelchen aufsetzt.

Einige Kilometer führt die Straße über mehrere Hügel, bis es schließlich wir schließlich nach Osten hinauf in die angrenzenden Berge abbiegen. Dieser Anstieg ist mit rund acht Kilometern und einer nicht unerheblichen Steigung recht lang und anstrengend. Wir fahren kleinste Gänge und brauchen einige Zeit bis wir die Paßhöhe erreichen. Der Lohn der Mühe ist eine rasante Abfahrt ins nächste Tal, das sehr schön und für isländische Verhältnisse üppig bewaldet ist. Die Wiesen erscheinen uns hier besonders saftig und grün.

An einem See begegnen wir einer Herde Islandponys (geführt) und mit leichtem Rückenwind rollen wir in ein weites Tal hinein. Einige Zeit später beginnen wir an unseren Fahrradcomputern und den Karten zu zweifeln, wir sehen weder die üblicherweise aufsteigende Gischt noch hören wir etwas vom Wasserfall der Götter. Wir folgen dem Schild und nehmen einen Abzweig zum Fluß. Erst als wir kurz vor der Schlucht sind, erreicht uns das Getöse des fallenden Wassers. Wenige Fußschritte weiter können wir ihn dann auch sehen, den Godafoss. Wir sind ein wenig enttäuscht, sein Name hatte Imposanteres erwarten lassen und doch ist das gesamte Erscheinungsbild von Fall, Schlucht und Umgebung sehr schön.

Der Zeltplatz liegt in unmittelbarer Nähe zum Wasserfall hinter einem der drei Häuser der kleinen Ortschaft.

Samstag, 10. August 1996
- Godafoss - Myvatn -
 
Etappendaten:  
Km
85
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Gleich zu Beginn dieser Etappe steht uns ein recht steiler Anstieg auf einem Schotter-Teilstück bevor, der uns aus dem Tal herausführt. Zwei weitere Täler mit ein bißchen Wald, saftigen Wiesen und einigen Siedlungen folgen, bis wir den ersten Blick auf das Myvatn-Gebiet werfen können.

Mein Fahrradcomputer hört plötzlich auf die Geschwindigkeit anzuzeigen und fällt schließlich ganz aus, so daß sich die Angaben für die folgenden Etappen lediglich auf die gefahrenen Kilometer beschränken werden, denn Christoph mißt keine Tagesergebnisse, sondern nur die Daten zur Gesamtstrecke.

Das Gebiet um den Myvatn erinnert uns an die Gegend bei Thingvellir. Das Bewußtsein um die geologischen Besonderheiten dieser Insel tritt wieder besonders hervor. Wir wollen zur Nordostseite des Sees und radeln daher noch einige Kilometer am See entlang und passieren noch eine Straßenbaustelle (das nötige Gestein wird unmittelbar vor Ort gewonnen, die offenen Steinbrüche fördern sehr poröse und tiefschwarze Lava zu Tage) bevor wir Reykjalid erreichen.

Anschließend an den obligatorischen Zeltaufbau und das Einkaufen machen wir uns auf den Weg zu den nahegelegenen Solfataren (es ist dabei zunächst ziemlich ungewohnt, auf dem unbepackten Rad zu fahren). Die sechs Kilometer entfernten blubbernden und stinkenden Schlammlöcher zeugen von der geothermalen Energie, die unter unseren Füßen verborgen ist. Wir unternehmen einen weiteren Abstecher zum Fuße der nahegelegenen Krafla (letzter Ausbruch 1984), vorbei am größten Geothermalkraftwerk (über 60 heiße Quellen werden angezapft) der Insel zu einem Kratersee der Krafla. Weiter geht es, zumindest mit dem Fahrrad oder dem Auto dann nicht mehr. Warnschilder weisen darauf hin, daß die Erdwärme für die Reifen zu groß ist (sehr eindrucksvoll).

Auf dem Rückweg eröffnet sich ein traumhafter Blick von dem zu überquerenden Lavagürtel über das gesamte Myvatn-Gebiet. Wir unternehmen anschließend noch eine Wanderung zur Stóragiá, die in einer Felsspalte eines der unzähligen Gräben liegt, die das Terrain durchziehen. Das ca. 40 Grad C. warme Wasser der kleinen Grotte ist zwar sehr verlockend, wir nehmen jedoch angesichts der Gefahr von Bakterieninfektionen im stehenden Gewässer Abstand von einem Bad.

Sonntag, 11. August 1996
- Krankheitstag -
Etappendaten:  
Km
0
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Trotz des vorsichtigen Verzichts auf das Bad bekomme ich in der Nacht zum Sonntag hohes Fieber. Ich schlafe kaum und schwitze meine Sachen und den Schlafsack durch. Der Tag beginnt sonnig und schön, aber das Fieber ist immer noch da, so daß Christoph sich allein zu den Pseudokratern aufmacht und ich versuche mit Medikamenten und viel Ruhe die Krankheit in den Griff zu bekommen. Am Abend geht es dann schon wieder etwas besser und die Zuversicht morgen die Reise fortsetzen zu können ist wieder da.

 
Montag, 12. August 1996
- Myvatn - Asbyrgi -
Etappendaten:  
Km
88
Fahrzeit (Std)
9:04
Durchschnittsgeschwindigkeit
9,7
Maximalgeschwindigkeit
45,5

An diesem Morgen fühle ich mich noch etwas flau, aber das Fieber ist weg, und so entschließe ich mich die Etappe in Angriff zu nehmen. Unser Weg führt zunächst zu Postur, um die Geldbörse aufzufüllen. Danach geht es über den Lavarücken an den Solfataren vorbei auf der Ringstraße im Richtung Osten. Nach 18 Kilometern biegen wir auf die Jeeppiste zum Dettifoss ab, zu dem es dann noch weitere 22 Kilometer sind. Und diese Kilometer auf der nur für Allradfahrzeuge zu befahrenden "Straße" sind sehr beschwerlich. Wir "fahren" im Schnitt nur mit ca. 7 Km/h über übelstes Wellblech und sandige Abschnitte. Um 14:30 Uhr erreichen wir schließlich den Parkplatz am Dettifoss.

Die Schinderei hat sich gelohnt, bereits der Fußweg zum Dettifoss durch das alte Flußbett bereitet auf die gewaltigen Kräfte der Wassermassen vor. Und das ist es, was diesen Wasserfall kennzeichnet: ungestüme Fluten und gigantische Kräfte an Stelle von Schönheit und Eleganz. Der nur rund einen Kilometer flußaufwärts gelegene Selfoss läßt dagegen das Wasser über eine hufeisenförmig gebogene Kante nicht ganz so tief hinabstürzen. Anschließend radeln wir noch zum dritten Fall dieser Gruppe, dem Hafragilsfoss. Der Canyon ist hier vom Wasser bereits so tief geschürft, daß das Hinabsteigen ohne alpine Ausrüstung nicht möglich ist. Dennoch hat man von der Kante eine herrliche Aussicht.

Als wir uns wieder auf den Sattel schwingen wollen, stelle ich fest, daß mein Vorderradgepäckträger erneut gebrochen ist. Wir überlegen nicht lange, sondern machen wieder das Tragesystem für einen Rückentransport der Tasche bereit.

Das Wetter verbessert sich im Laufe des Tages immer mehr, die Sonne kommt zum Vorschein. Dennoch macht uns die sehr fortgeschrittene Zeit sorgen. Es ist bereits nach 16 Uhr als wir am Dettifoss aufbrechen und es sind noch mindestens 40 Km bis nach Asbyrgi auf übelster Piste zu fahren.

Auf dem tendenziell abschüssigen Weg zur Nordküste säumen flachwachsende Büsche und Sträucher den Weg und die untergehende Sonne leuchtet die umliegenden Berge aus geringem Winkel an, so daß sie in schönen Farbspektren "leuchten". Wir versinken mit unseren Gedanken fast in der wunderschönen Kulisse bis der nächste Defekt uns wieder zurückholt. Ich fahre etwas vor und bemerke nicht, daß Christoph plötzlich zurückbleibt. Als ich schließlich wahrnehme, daß er nicht mehr hinter mir ist, haben wir keinen Sichtkontakt mehr und ich quäle mich wieder den Berg hinauf, um zu sehen, was passiert ist.

Es ist der 4. Speichenbruch an Christophs Hinterrad. Ich hätte nicht lästern sollen, denn wenig später bricht bei mir die Befestigungsschraube des Lowriders am Ausfallende. Wir tauschen die Schraube aus und es kann bald weiter gehen, doch das alles hat etwas Zeit gekostet, die Dämmerung hat schon vor einiger Zeit eingesetzt und wir hasten ohne Rücksicht auf das Material über das Wellblech, um Asbyrgi noch vor der Dunkelheit zu erreichen. Zum Glück wird die Piste auf den letzten Kilometern besser. Wir erreichen dann Asbyrgi nach neun Stunden und vier Minuten im Sattel sitzend um 21:30 Uhr.

Der Zeltplatz liegt inmitten des Hufeisens, das ehemals vom Fluß und gewaltigen Wasserfällen ausgewaschen wurde und ist sehr modern und komfortabel (z. B. Trockenschränke für nasse Sachen).

 
Dienstag, 13. August 1996
- Asbyrgi - Grimsstadir -
Etappendaten:  
Km
60,8
Fahrzeit (Std)
5:28
Durchschnittsgeschwindigkeit
11,1
Maximalgeschwindigkeit
29,2

Als wir nach dem üblichen ausgiebigen Frühstück, dem Packen der Sachen und dem Abbauen des Zeltes die Taschen an die Räder hängen, stelle ich mit Schrecken fest, daß auch die rechte Seite meines Vorderradgepäckträgers gebrochen ist: Shit, wir haben nur ein Tragesystem dabei und die linke Tasche trage ich ja bereits auf dem Rücken!!!! So bleibt uns nichts anderes übrig als das Werkzeug hervorzukramen und eine Reparatur zu versuchen. Nach mehreren Flüchen auf den Hersteller und einiger Bastelei finden wir eine Lösung. Eine Strebe der linken Seite dient als Verstärkung des gebrochenen Rohres auf der rechten Seite.

Um 11:15 Uhr kommen wir dann endlich los, die heutige Etappe läßt laut Reiseführer keine besseren Straßenverhältnisse erwarten als gestern. Der Himmel ist bedeckt, aber bislang ist es trocken. Die ersten 15 Km führt die Piste wieder stark und relativ lange bergan, es geht vom Küstenstreifen hinauf in die Bergregion. Der Fahrbahnuntergrund ist zunächst akzeptabel, verschlechtert sich jedoch mit jedem gefahrenen Kilometer. Auch Christophs Gepäckträger leidet unter dem Wellblech der Piste und quittiert schließlich seinen Dienst nach rund 45 Km in Form eines Bruches des linken Rohrendes. Notdürftig spannen wir die Tasche so ab, daß an ihr keine Schäden entstehen können nach einigen Beschimpfungen in Richtung Hersteller geht es weiter.

Der Dettifoss ist von dieser Seite noch imposanter, die gewaltige Kraft der Wassermassen läßt uns wieder einen ehrfürchtigen Abstand zur Abbruchkante (Absperrungen sind hier ebenfalls nicht vorhanden) einhalten.

Um 15 Uhr machen wir uns auf die letzten 30 Km in Richtung Grimsstadir, der Weg scheint kein Ende zu nehmen und das üble Wellblech läßt auch nicht den Ansatz eines flüssigen und zügigen Fahrens zu. Ein heftiger Regenschauer erwischt uns noch kurz von Grimsstadir, doch ein schöner Anblick der Herthubreith und Regenbögen von bisher nie gesehener spektraler Leuchtkraft sind angenehme Gegenpole zur Schinderei und Kälte.

Grimsstadir wirkt sehr verlassen und der Zeltplatz besteht lediglich aus einer kleinen Wiese und dem obligatorischen Toilettenhäuschen mit Waschbecken. Wir bezahlen beim Tankwart und bauen dann zügig das Zelt auf, es ist ziemlich kalt geworden doch die Sonne kommt noch einmal hervor, um uns etwas zu versöhnen. Ich merke, daß mein Grippeanflug nicht ganz auskuriert ist und fühle mich wieder schlapp und elend.

Mittwoch, 14. August 1996
- Grimsstadir - Höfn -
Etappendaten:  
Km
-
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Heute wollen wir den Bus bis Höfn an der Südostküste nehmen, um eine lange Strecke ohne sehenswerte Highlights und mit zeitraubenden Fjordpassagen zu überbrücken. Angesichts meines gesundheitlichen Zustands bin ich auch sehr froh darüber, einen Tag bequem im warmen Bus verbringen zu können.

Pünktlich um 11 Uhr kommt ein großer Bus vorgefahren. Wir müssen die Fahrräder zum Teil demontieren (Vorderrad raus und den Lenker quer stellen, damit sie in den Stauraum passen. Der erste Abschnitt der Fahrt geht bis Egilsstadir (2100 Kr.). Dort heißt es umzusteigen in einen kleineren Bus, was bedeutet, daß diesmal die Fahrräder nicht im geschützten Stauraum transportiert werden können, sondern hinten auf einen Gepäckträger geschnallt werden. Es wird schnell klar, daß wir nicht die einzigen Radfahrer mit dem Wunsch nach Bustransfer sind und dies zu einem Engpaß auf dem eigentlich nur drei Fahrräder fassenden Träger führen wird. Der Busfahrer wirkt angesichts der Massen, die mit seinem Bus fahren wollen etwas mürrisch, bemüht sich aber, alle Räder mitzubekommen. Schließlich sind sechs Räder auf dem Träger neben und übereinander mehr oder weniger befestigt und es kann in Richtung Fjorde losgehen (3800 Kr.).

Unterwegs treffen wir immer wieder Radfahrer, die angesichts des schlechten Wetters mitfahren möchten. der Busfahrer hält jedesmal an (!!), muß ihnen aber klar machen, daß die Kapazität dieses kleinen Busses wirklich bereits voll ausgelastet ist. Uns tun die frierenden Radler leid und möchten nicht in ihrer Haut stecken.

Um 20:15 erreichen wir dann schließlich Höfn nach einer interessanten Fahrt entlang der Ostfjorde. Die Fahrräder haben in diesen paar Stunden mehr gelitten als auf dem Flug und den üblen Wellblechpisten. Auf ihnen liegt eine dicke Schicht aus Staub vermengt mit Dieselabgasen und Wasser (sie sehen aus wie nach 10 Tagen Paris - Dakar), der Lack ist an einigen Stellen bis aufs Metall durchgescheuert. An der Tankstelle gegenüber des Zeltplatzes gibt es frei nutzbare Wasserbürsten, mit deren Hilfe die Räder schnell wieder gereinigt sind.

In der Nacht schlafen wir sehr unruhig, weil zunehmend Wind aufkommt und das Zelt somit stark zu wackeln und flattern anfängt.

Donnerstag, 15. August
- Höfn -
Etappendaten:  
Km
-
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Wir sind sehr früh wach, da sich der Wind von gestern zu einem richtigen Sturm mit heftigem Regen entwickelt hat und sich auf dem Zeltplatz entsprechende Hektik ausgebreitet hat. Einige Zelte haben den Kräften bereits nicht mehr standhalten können und auch unser, konstruktiv bedingt, nicht gerade sehr sturmfeste Tunnelzelt wackelt und flattert beängstigend stark. Wir packen schnell unsere Sachen zusammen, spannen die Leinen und Schlaufen nochmals nach und flüchten in den Aufenthaltsraum (dies ist glücklicherweise einer der wenigen Zeltplätze, die über solche Einrichtungen verfügen).

Beim Frühstück im Trockenen überlegen wir lange hin und her, ob es ratsamer ist, das Zelt bei diesem Wind abzubauen oder es lieber stehen zu lassen. Wir entschließen uns, angesichts der Gefahr beim Abbau das Zelt zu beschädigen, es stehen zulassen. Mit Erfolg, es übersteht alles ohne Schäden.

Ich mache mich dann auf zur Krankenstation, um etwas gegen die noch anhaltende Grippe (mittlerweile rebelliert auch mein Magen) zu tun, es ist jedoch kein Arzt da (sie streiken), so daß ich in der Apotheke lediglich meinen Medikamentenvorrat erneuere. Am Nachmittag läßt der Regen nach und wir versuchen unsere Gepäckträger repariert zu bekommen. In einer Schlosserei am Hafen stoßen wir schließlich auf hilfsbereite Leute. Filigrane Löt- oder Schweißarbeiten sind nicht ihre Stärke, aber sie schlagen uns für meinen Träger eine sehr stabile Blechverstärkung an den Innenseiten vor. Aber das ist es , was auch wir wollen: Lösungen, die uns auf der restlichen Tour vor weiteren Defekten dieser Art bewahren, die Träger sind ja ohnehin bereits kaputt. Meiner sieht nachher aus wie ein Vorkriegsmodell, wird aber auf jeden Fall alle kommenden Herausforderungen heil überstehen, Christophs erhält eine Lösung analog zur Ski-Stock-Konstruktion (die übrigens sehr gut funktioniert) eine Verlängerung des Abspannrohres.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Ausruhen (ich hab's sehr nötig), Essen und Lesen. Das Wetter läßt auch nichts anderes zu.

 
Freitag, 16. August 1996
- Höfn - Fargurholsmyri -
Etappendaten:  
Km
115,6
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Der Tag beginnt zunächst sehr regnerisch, viele Leute vom Zeltplatz entschließen sich bereits sehr früh (8:30 Uhr) mit dem Bus zu fahren. Wir brauchen für das Frühstücken, Packen und Vorbereiten immer etwas länger, was sich diesmal auszahlt, denn als wir zu unserer üblichen Zeit (10:15 Uhr) losfahren, klart es richtig auf (Sonnenkinder!!!) und es wird ein richtig schöner Tag (Sonne pur ohne Wind: herrlich!!!). Mir geht es auch wieder besser, nur an den Steigungen merke ich die noch etwas müden Beine.

Gegen 15 Uhr erreichen wir nach einer Fahrt entlang des sehr grünen Küstenstreifens und in ständiger Sichtweite zum Vatnajökull den Jökulsarlón. Die Eisberge in dem Gletschersee sind sehr beeindruckend und unsere Blicke bleiben auch immer wieder an den faszinierenden Eismassen des Vatnajökull haften.

Wir machen noch eine Reihe von Photos und nach einer großen Pizza (!!!) auf der Terrasse der Cafeteria brechen wir um 17:40 Uhr wieder in Richtung Westen auf. Wir kommen noch einmal sehr nah an einer Gletscherzunge vorbei, bevor uns erneut ein heftiger Gegenwind entgegenweht. Die folgenden 20 Km bis Fargurholsmyri werden daher noch sehr anstrengend. Fargurholsmyri hat keinen Zeltplatz, so daß wir an der Tankstelle fragen, ob wir neben der Bergwachtstation campieren dürften. Dies ist kein Problem und so zelten wir mit unmittelbarem Blick auf den Gletscher in leichter Schräglage hinter der Tankstelle.

Samstag, 17. August 1996
- Fargurholsmyri - Kirkjubaejarklaustur -
 
Etappendaten:  
Km
100
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Dieser Tag beginnt mit traumhaften Sonnenschein und die Windrichtung läßt bereits Gutes erahnen: Rückenwind! Nach 23 Km und ersten Blicken auf die unendlich erscheinenden Flächen des Skeitharasandur erreichen wir um 11:45 Uhr den Skaftafell-Nationalpark. Wir lassen die Räder am Fuße des Berges stehen und wandern die 1,2 Km zum Svartifoss durch üppigen Wald (!!!) hinauf. Und das hat sich auch wirklich gelohnt, denn dieser Wasserfall wird zwar nur von einem kleinen Bach gespeist, fällt aber über wunderschöne Basaltsäulen(-überhänge) hinab. Auf dem Rückweg kommen wir noch an einigen Torfhäusern vorbei, bevor wir uns um 14:15 Uhr auf den Weg über den Skeitharasandur machen.

Die 900 Meter lange Brücke über die Skeithara ist weithin sichtbar und vermittelt bei der Überquerung ein besonderes Gefühl (schmal, holzbeplankt). Der Wind bläst zunehmend kräftiger, jedoch glücklicherweise von der Seite bzw. von schräg hinten. Der Horizont verschwimmt in diese absolut flachen Ebene, lediglich die angrenzenden Berge und der Vatnajökull erheben sich in der Ferne. Die Gedanken fließen bei dieser monotonen Einöde dahin, so ähnlich muß es bei Fahrten durch "echte" Wüsten sein. Wir werden plötzlich aus unseren Träumereien gerissen als Christoph den 6. Speichenbruch an seinem Hinterrad feststellt (Asphalt, absolute Ebene). Als wir anhalten wird uns deutlich das wir wirklich Glück mit der Windrichtung haben. Er bläst ziemlich stark und 30 Km bei diesem Gegenwind wären wirklich kein Spaß (Sonnenkinder !!!!).

Schließlich lassen wir die 30 Km Einöde hinter uns und fahren durch Lavafelder an der Küste entlang in Richtung Westen. Uns kommt ein Tandem entgegen!! Die Landschaft wird mit jedem gefahrenen Kilometer wieder grüner, bis wir etwa 20 Km vor Kirkjubaejarklaustur auf richtig saftige Weiden stoßen. Die Sonne hat uns den ganzen Tag lang begleitet.

 
Sonntag, 18. August 1996
- Kirkjubaejarklaustur - Eldgja-
Etappendaten:  
Km
80
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Wieder Sonnenschein, ist das ein herrlicher Morgen. Hatten wir gestern noch hin und her überlegt, ob wir nach Landmannalaugar fahren sollen oder nicht, so steht der Entschluß heute endgültig fest. An die örtliche Tankstelle ist kein richtiger Supermarkt angeschlossen und die restlichen Geschäft haben geschlossen (Sonntag), so daß wir lediglich ein paar Kleinigkeiten einkaufen und uns noch die von den Eismassen geschliffenen Basaltsäulen anschauen, welchen der Ort seinen Namen verdankt (Kirchenfußboden).

Die folgenden ersten 24 Km unserer heutigen Etappen werden dann zunächst sehr monoton: Die Ringstraße ist hier mit dem Lineal gezogen worden und geht ganz leicht bergan. Man kann die Strecke über zig Kilometer im voraus einsehen und hat das Gefühl überhaupt nicht voran zu kommen. So sind wir recht froh als wir den Abzweig erreichen und wieder ins Hochland aufbrechen können, obwohl die folgenden Kilometer recht hügelig sind.

Es geht auf der recht guten Piste immer wieder über eine Vielzahl an Hügeln auf und ab. Die Anstiege sind zwar immer recht kurz, aber z. T. so heftig, daß wir zum ersten mal auf der Tour absteigen müssen. Doch das Schieben ist kaum einfacher, auf dem Schotter rutschen wir immer wieder weg und der fehlende Druck auf das Vorderrad läßt auch dieses seitlich wegrutschen.

Eine Herde Ponys zieht in der Ferne vorüber und reichlich Gras überzieht die Hügel. Wir kommen schließlich an dem letzten Zeltplatz wenige Kilometer vor der Eldgja vorbei und fassen den Entschluß hier nicht zu übernachten, das Wetter ist noch herrlich, ein Generator lärmt und die morgige Etappe wäre entsprechend kürzer. Wir durchfahren der größten Spaltenvulkan der Erde, bis die tiefe Skaftá uns den Weg versperrt. Es ist bereits relativ spät und wir verspüren nicht die größte Lust uns jetzt noch naß zu machen. Ein entgegenkommender Radfahrer war enttäuscht von dem, was er drüben gesehen hat und auch ein Jeep, der uns hätte mitnehmen können, fährt nicht mehr auf die andere Seite. So geben wir uns mit dem, was wir gesehen haben zufrieden und erkunden nicht mehr die letzten Winkel dieses riesigen Vulkans, der seine Lava über 80 Km bis zur Küste hat fließen lassen.

Wir fahren weiter in Richtung Landmannalaugar und quälen uns dabei Steigungen mit weit über 20% Neigung hinauf (bei Schotter wirklich nicht einfach zu fahren). Nach diesen Mühen und einer ersten Furt schlagen wir unser Zelt inmitten der Einsamkeit auf. Der Platz ist zwar nicht ganz wind- und regensicher, aber wir können nicht mehr und hoffen auf weiterhin gutes Wetter. Das letzte Auto kommt um 21:45 Uhr vorbei, danach ist nur noch absolute Stille.

Wir sind von der langen anstrengenden Etappe richtig ausgehungert und schlagen beim Abendbrot mächtig zu, bevor wir bemerken, daß unsere Vorräte bereits stark zur Neige gegangen sind. Wir hatten uns zum einen nicht so die Gedanken darüber gemacht, daß es ja wieder ins Hochland geht, zum anderen nicht den Sonntag in Kirkjubaejarklaustur beachtet (in den anderen Orten hatten die Geschäfte auch Sonntags geöffnet). Wir sichten noch einmal alles und kommen zu dem Schluß, daß es gerade reichen müßte, im Notfall wäre halt Müsli mit Wasser zu essen.

Montag, 19. August 1996
- Eldgja - Landmannalaugar -
 
Etappendaten:  
Km
28
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Unsere Hoffnungen sind erfüllt worden, wir hatten eine absolut ruhige Nacht und auch dieser Tag beginnt wieder mit Sonnenschein. Und so freuen wir uns schon auf die vielen Flüsse, die wir heute zu durchqueren haben. Bei diesem Wetter wird es fast Spaß machen, durch das eisige Wasser zu waten. Die erste Menschenseele, die wir zu Gesicht bekommen ist um 9:30 ein Radfahrer!

Aufgrund der letzten trockenen Tage sind die Furten im allgemeinen nicht sehr tief. Die Flüsse führen nicht sehr viel Wasser, so daß wir nach anfänglicher Vorsicht bald dazu übergehen die meisten Furten zu durchfahren und nur noch bei den wirklich tiefen abzusteigen. Lange Umkleideaktionen entfallen dabei, da wir bei diesem schönen Wetter in kurzen Hosen und Trekking-Sandalen fahren können.

Die Landschaft wird zunehmend skurriler, sehr hügelig, fast bergig mit verschiedenfarbigen Untergründen (Gras ist nur noch spärlich vorhanden) sowie sehr vielen Flußläufen in den Tälern.

Etwa zehn Kilometer vor Landmannalaugar bemerke ich bei mir den ersten (und letzten) Speichenbruch, der schnell repariert ist. Schließlich kommen wir noch recht früh in Landmannalaugar an. Der Zeltplatz ist jedoch bereits mit Zelten überseht und bietet einen starken Kontrast zu unserem letzten Übernachtungsplatz. Zum ersten Mal haben wir Schwierigkeiten die Heringe in den Boden zu bekommen, er ist sehr hart. Nach einem kleinen Imbiß brechen wir zu Fuß auf, um einen nahegelegenen Berg zu besteigen.

Von dort oben hat man dann eine traumhafte Aussicht über des gesamte Gebiet, das einen irgendwie immer an Bilder vom Mars erinnert. Es ist einfach phantastisch, welche verschiedenen Farben die Untergründe der Berge annehmen. Wir können uns kaum satt sehen zumal wir eine grandiose Fernsicht bis zu weit entfernten Gletschern, Bergen und Tälern haben. Es ergibt sich ein richtiger Überblick über weite Teile des Landes. Auf dem Rückweg geht es noch an Stellen dampfender Erde vorbei und durch ein zerklüftetes Lavafeld.

Anschließend lassen wir uns ein warmes Bad im Pfuhl direkt neben dem Zeltplatz natürlich nicht entgehen. Es ist immer wieder herrlich bei kühlen Außentemperaturen ins heiße klare Wasser zu steigen, obwohl uns dieser Pfuhl etwas enttäuscht: Er ist sehr flach, hat einige Algen und eine Menge Leute baden in ihm (ok, wir ja auch). Dies war wieder ein herrlicher Tag, an dem wir sehr viel erlebt und gesehen haben.

Dienstag, 20. August 1996
- Landmannalaugar - Meintunga -
 
Etappendaten:  
Km
100
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Dieser Tag beginnt kalt und regnerisch, es nieselt leicht als wir zu unserer üblichen Zeit (10:15 Uhr) aufbrechen. Bereits nach einem Kilometer wird die Fahrt durch einen Speichenbruch an Christophs Hinterrad unterbrochen (es ist der Siebte).

Danach geht es auf sehr sandigem Untergrund (Christoph sinkt mit seinen etwas schmaleren Reifen richtig tief ein) durch die immer noch sehr vulkanische und hügelige Landschaft. Tendenziell geht es diesmal jedoch bergab, so daß wir einigermaßen gut vorankommen. Auch das Wetter ist uns wieder wohlgesonnen, es wird besser und wärmer. Wir queren noch einige Flüsse und radeln einige Kilometer bevor die Hekla in unser Blickfeld kommt. Mit ihrem schneebedecktem Gipfel wirkt sie friedlich und ruhig. Und doch wissen wir um die zerstörerischen Kräfte, die sie entfalten kann. Es ist deutlich zu erkennen, wie die gesamte Gegend durch ihre zahlreichen Ausbrüche geprägt worden ist.

Als wir um eine Biegung fahren treffen wir plötzlich auf eine entgegenkommende Reitergruppe. Die quietschende Bremse an Christophs Rad erschreckt einige der Pferde sehr, sie drohen durchzugehen und die Reiter haben Mühe sie im Zaum zu halten (wie peinlich).

Schließlich treffen wir auf die Sprengissandur und folgen dieser Route Richtung Süden. Rund 20 Km nach diesem Abzweig erreichen wir in Staubfahnen von LKWs eingehüllt ein kleines Museum mit einer recht interessanten Ausstellung zur Geschichte der Hekla und ihren spektakulären und katastrophalen Ausbrüchen.

Das Essen hat zwar gereicht, dennoch sind wir froh als wir das erste Gehöft mit Tankstelle und Minimarkt erreichen. Angesicht der geringen Auswahl und den hohen Preisen kaufen wir nur wenig und fahren noch bis zur Ringstraße. Kurz bevor wir diese erreichen: 8. Speichenbruch bei Christoph! An der Kreuzung mit der Ringstraße gibt es dann einen richtigen Supermarkt in dem wir zunächst "groß" einkaufen.

Meintunga liegt noch etwa einen Kilometer auf der gegenüberliegenden Seite der Ringstraße. Es ist ein Bauernnest ohne Zeltplatz, so daß wir anfangen, die Einwohner zu fragen, ob wir auf ihren Wiesen übernachten können. Im zweiten Haus treffen wir auf eine nette, englischsprechende Frau, die zwar selbst keine Wiese anbieten kann, aber uns einen wunderschönen Platz neben dem Haus der Nachbarin vermittelt (die Isländer sind einfach super nett und gastfreundlich).

 
Mittwoch, 21. August 1996
- Meintunga - Reykjavik -
Etappendaten:  
Km
115,6
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Wieder ein Morgen, an dem die Sonne scheint und wir haben auf unserem "privaten" Zeltplatz prächtig geschlafen (das Gras war nicht gemäht und hat für einen himmlisch weichen Untergrund gesorgt). Wir folgen der Ringstraße in Richtung Westen und radeln auf Asphalt und bei leichten Seitenwind (später Rückenwind) gen Selfoss, eine Provinzstadt im Südwesten der Insel. Wir verzeichnen unterwegs den 9. Speichenbruch an Christophs Hinterrad und die Nähe der Hauptstadt spüren wir mit jedem gefahrenen Kilometer durch den entsprechend anwachsenden Verkehr. Zwischen Selfoss und Reykjavik ist schließlich noch eine Steigung, die zwar nicht extrem groß, aber recht lang ist, zu überwinden, bevor es hinab in die Großstadt geht. Spätestens hier fängt der Verkehr an, uns zu nerven. Die LKWs fahren sehr dicht an uns vorüber, so daß die Räder durch den Sog unweigerlich in gefährliche Schlingerbewegungen geraten. Wir nutzen den Rückenwind und versuchen, diesen Streckenabschnitt so schnell wie möglich hinter uns zu bringen.

Nach schnellen 90 Km erreichen wir den Zeltplatz am Sportzentrum bereits um 14:30 Uhr und unternehmen daher nach einer kurzen Siesta einen ersten Gang in die Stadt.

Donnerstag, 22. August - Samstag, 24 August 1996
- Reykjavik -
Etappendaten:  
Km
-
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Nun machen wir noch ein bißchen Sightseeing, erledigen die letzten Einkäufe (Landkarten und Mitbringsel) und gehen zur Perlan, dem riesigen Warmwasseraufbereitungszentrum hinauf.

Das Wetter bleibt weiterhin herrlich, so daß die Stadt und ihre Einwohner ein fast südländisches Flair entwickeln. Wir besuchen das Rathaus und gehen ins Nationalmuseum. Wir schlendern durch die Geschäfte und die Kringlan (eine kleine Shoppingmall). Schließlich fahren wir noch zu einem geothermal beheizten Spaßbad in einen Vorort hinauf. Es ist sehr modern, gepflegt und man direkt vom heißen Wirlpool einen tollen Blick über die Stadt: einfach Klasse!

Sonntag, 25. August 1996
- Reykjavik - Keflavik -
 
Etappendaten:  
Km
48,8
Fahrzeit (Std)
-
Durchschnittsgeschwindigkeit
-
Maximalgeschwindigkeit
-

Die letzte Etappe unserer anstrengenden aber wunderschönen Reise unternehmen wir wiederum bei traumhaften Sonnenschein und sind bereits mittags am Ziel. Wir fragen am Flughafen nach, ob unsere Kartons noch dort sind, was leider nicht der Fall ist. Den Rest des Tages aalen wir uns faul in der Sonne. Eine wirklich spannende und erlebnisreiche Reise geht zu Ende. Am Abflugtag ist das Wetter richtig mies. Bereits wenige Meter vom Boden Abgehoben sind wir in dichte Wolken eingehüllt.

 

Zum Schluß noch eine wichtige Anmerkung: Wir hatten auf der rund 1400 Km langen Tour zwar Probleme mit der Lowridern und einige Speichenbrüche, aber keinen einzigen Platten!!! Lob an Conti und Panaracer.

 

 

 


Packlisten:

Beachte: Dies sind persönliche Packlisten von Christoph und Marcus. Da wir weder essentielle Dinge vermißt hatten, noch das Gefühl hatten Krimskrams über die Berge zu befördern, kann diese Liste für die eigene Reisevorbereitung jedoch gute Dienste Leisten.

Packliste Christoph:

Fahrrad, komplett etwa 14 kg

am Rad: Luftpumpe, Kunststoff-Trinkflasche


während des Fahrens am Körper:

Radschuhe, 1 kurze Radhose, 1 Trikot, North-Face Jacke, Helm, Armbanduhr


Ortlieb vorne links: etwa 3,7 kg

Flies-Jogginghose, 1 kurze Shorts (grün-weiß), 2 T-Shirts, 2 Unterhosen,1 Jeans, langärmeliges T-Shirt (schwarz mit Rolli), Fleece-Pulli, Fährmann-Gürtel, 2 Paar Trekkingsocken, dünne Radsocken, kleines Handtuch, Ortlieb-Tragesystem


Ortlieb vorne rechts: etwa 4,5 kg

1 Knickers, lange Löfflerhose, 1 Trikot, Armlinge, Funktionsunterhemd, Handschuhe, Mütze, 1 Badehose, Viskose Körperhandtuch, Viskose Gesichthandtuch
Wolfskin Handtasche: Reisepaß, Führerschein, Perso, Jugendherbergsausweis, internationaler Studi-Ausweis, Postsparbuch mit Karte, kleines Radio
Salewa Tasche: Karte, Island per Rad, Sprachführer, Schreibutensilien (Stifte, Block), Adressenliste
Isomatte (therm a rest), Objektiv 70mm-210mm, 4 Filme in röntgensicherer Box


Karrimor hinten links mit Spanngurt befestigt: etwa 7 kg

Außen- und Innenzelt in Tatonka Sack, Häringe
Ersatzteilebox (mit Packgurt, 75 cm):
Schlauchschellen, Kabelbinder, Schrauben und Muttern, Fett in Tube, kleine Spritze, Bowdenzüge, Klemmnippel, Zeltgestänge-Reparaturhülse, Bremsgummis, Rip-Stop-Reparaturstoff (Zelt, Jacken), Dakron, Kettenglieder, Kette, Packtaschenhaken und -spanngurt, Zelt-Reparaturset, Zahnkranzabzieher, Nippelspanner, Nadel und Faden, Klebeband, Pumpengummi
Werkzeuge: Topeak Power 16 mit Steuersatz-Kit, Schraubenzieher, Inbusschlüsselsatz 2,3,4,5,6 , Maulschlüssel 6,7,8,9,10,11,17,19, Konterschlüssel 13,14,15,16 , Kurbelabzieher
kl. Tasche: 5 Schläuche, Flickzeug (selbstklebend und konventionell), Ortlieb-Erste Hilfe Set, 2 Reifenheber


Karrimor hinten rechts mit Spanngurt befestigt: etwa 7,5 kg

Joggingschuhe, Teva-Latschen
Fressbox: Spaghetti, 100 Teefilter mit Klammer, Tütensuppen, Getränketabletten, Taschenmesser, Besteck, Gewürzdose, Wäscheleine, Wäscheklammern
Kulturtasche: Crèmes (Sonnenschutz), Sunblocker für die Nase, Vaseline für die Lippen, Zahnbürste, Zahnpasta-Konzentrat, Waschmittel, Rasierzeug, Kernseife, Klopapier, Sitzcrème, Nagelschere
blaue Sigg-Flasche, Wassersack, Hot-Stuff, Thermobecher, Butterdose
kl. Tasche: Berghaus Gore Tex Socken, Regenhose, Überschuhe, Sonnenbrille, Wasserpumpenzange, Ketteneisen, Speichen DD 2-1,8 mm (20x264/3x266) mit Nippeln, Lappen, Kettenöl, Schloß


Ortlieb Packsack hinten: etwa 4,0 kg

Schlafsack (Durchmesser 17 cm), 2. Isomatte, Canon A-1 mit 28mm und Film, Filter


Gepäckträger:

Zelt-Unterlage, Gestänge, Conti Competition Pro

 

Packliste Marcus: