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Special
Olympische Spelen

Pechsteins historischer Hattrick
Salt Lake
City (dpa) - Als Anni Friesinger erschöpft zusammenbrach, ging Claudia
Pechstein mit schwarz-rot-goldener Perücke und geballter Faust triumphierend
auf die Ehrenrunde. «Es ist der Wahnsinn, dieses Gefühl», schrie die
Berlinerin voller Inbrunst heraus, als sie von den über 5000 Fans im Utah
Olympic Oval für ihren Traum-Weltrekord gefeiert wurde.
Noch Stunden später bei der fetzigen Fete im Thüringen-Haus, als die
Olympiasiegerin selbst zur Gitarre griff und ausgelassen tanzte, konnte
Claudia Pechstein nicht richtig realisieren, was an jenem 23. Februar um
22.35 Uhr (MEZ) eigentlich passiert war: In 6:46,91 Minuten hatte sie den
Weltrekord gleich um 5,53 Sekunden in eine neue Dimension gerückt und mit
ihrer vierten Goldmedaille den Olymp gestürmt. Ihr insgesamt siebtes
Edelmetall (4/1/2) und der historische Hattrick mit drei Mal 5000-m-Gold in
Folge zwischen Hamar und Salt Lake City bescherte ihr die Spitze in der
Rangliste der erfolgreichsten deutschen Winter-Olympioniken vor Karin
Kania-Enke und Gunda Niemann-Stirnemann (je 3/4/1).
Unmissverständlich beendete Claudia Pechstein damit die Prestige-Frage nach
der Nummer eins im deutschen Eisschnelllauf-Team, die Anni Friesinger mit
ihrer Siegesserie im Weltcup aufgeworfen hatte. Die Inzellerin, der diesmal
auch die Brille des niederländischen Eis-Königs Jochem Uytdehaage kein Glück
brachte, gab alles, musste sich aber mit Platz sechs begnügen. «Es war wie
ein Ventil, das zu gemacht hat. Alles tat unglaublich weh, ab 3000 Meter
habe ich kaum noch Luft bekommen», klagte die 25-Jährige, die sich bei vier
Starts mit einem Sieg über 1500 m zufrieden geben musste. «Das Gold kann mir
keiner nehmen, ich trage es im Herzen», tröstete sich die Bayerin.
Viel Zündstoff hatte der im Vorfeld von der Boulevardpresse angeheizte «Busenkrieg»
in das Duell getragen. «Natürlich hat es mich gewurmt, dass Anni mehr in den
Medien war», gestand Claudia Pechstein. Sie werde sich jetzt mit ihrem
Management von der Agentur «power play» zusammensetzen, um zu beraten, wie
sich die olympische Traum-Karriere nun in klingender Münze auszahlen könne.
«Ich glaube aber nicht, dass mir allein die von meinem Management gereichte
Perücke Türen aufgeschlagen hat», meinte sie schmunzelnd.
Auf dem Weg in den Olymp haben Claudia Pechstein ein paar Babyschuhchen
Glück gebracht. «Das waren die ersten Schuhe, die mein Mann getragen hat.
Seit er mir die geschenkt hat, begleiten sie mich überall hin», begründete
die strahlende Siegerin, die scheinbar gelassen auf die von Gretha Smit
vorgelegte «Bombenzeit» reagierte. In 6:49,22 hatte die niederländische
Tulpenhändlerin, die von ihrem Arbeitgeber im Dezember 2001 entlassen worden
war, als sie eine Freistellung für die Olympia-Vorbereitung einforderte,
gleich im ersten Paar einen Brocken hingeworfen, den nur die Berlinerin
schlucken konnte. «Ihre Zeit war Klasse, aber ich hielt sie für machbar», so
Pechstein.
«Wir haben reagiert und unsere Pläne weiter nach unten korrigiert»,
bestätigte Trainer Joachim Franke nach «seiner» achten Olympia-Goldmedaille
die aufgegangene Taktik. «Einfach grandios, wie Claudia das umgesetzt hat»,
meinte er sichtlich bewegt, «sie ist gelaufen wie ein Uhrwerk. Aber ich habe
sie nicht aufgezogen», scherzte der Coach und würdigte «Pechi», die seit
1991 bei ihm trainiert, als Musterschülerin: «Viele Reibereien haben wir
nicht.»
Auch ZDF-Expertin Gunda Niemann-Stirnemann, die vor vier Jahren von
Pechstein um vier Hundertstel geschlagen worden war und bis zum
Olympia-Finale den Weltrekord hielt, würdigte die neue deutsche
Top-Olympionikin: «Absolute Klasse, dieses Gleichmaß. Das war ein
Nervenkrieg - ein taktisches Meisterwerk von Claudia.»
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