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Special
Olympische Spelen

Trainer Joachim Franke: Zum Erfolg «gezwungen»
Salt Lake
City (dpa) - Zu seinem Job wurde er gezwungen, heute ist sein Wissen in
aller Welt gefragt. Joachim Franke ist nicht nur der erfahrenste, sondern
auch der erfolgreichste Eisschnelllauf-Trainer der Gegenwart.
Schon vor den abschließenden zwei Damen-Rennen im Utah Olympic Oval darf der
62-jährige Berliner seine achten und definitiv letzten Olympischen
Winterspiele als Markstein einer «Traumkarriere mit Hindernissen» verbuchen:
Das Gold durch Claudia Pechstein über 3000 m war sein siebtes bei Olympia,
Silber durch Monique Garbrecht- Enfeldt über 500 m seine insgesamt 16.
Medaille.
«Ich habe gar nicht gewusst, wie bekannt ich in Holland bin. Erst
Journalisten haben mir das klar gemacht», wundert er sich. Zu solch einer
Popularität hat es in Deutschland nie gereicht. Das liegt vielleicht an der
Randsportart Eisschnelllauf, vielleicht aber auch an seiner stillen,
zurückhaltenden Art.
Dabei begann seine Bekanntschaft mit dem neuen Sport mit einem dicken Hals:
«Es gab in der DDR eine schöne Formel. Die hieß Einsicht in die
Notwendigkeit.» Mit dieser Floskel wurde der Eishockeytrainer 1972 von
Weißwasser nach Berlin versetzt. Beim Eisschnelllauf fehlten gute Fachleute,
also hopp, ab in die Hauptstadt. Da zählten plötzlich weder die Erfahrung
aus 116 Länderspielen mit der Krönung durch den dritten EM-Platz 1966 noch
seine vier Meistertitel mit Dynamo Weißwasser. «Friss oder stirb», so die
Devise der DDR-Sportführung.
«Heute bin ich natürlich froh darüber. Solche Erfolge wären im Eishockey
nicht denkbar gewesen. Aber was damals alles daran hing: Da war ja nicht nur
die neue Sportart, da war der Umzug, das neue Umfeld. Leicht war das nicht
für meine Frau und mich», erinnert sich der «Goldschmied». Angebote hatte er
viele, aus den Niederlanden, aus Norwegen. Zuletzt lehnte er es 2000 ab, für
einen schönen Batzen Geld das US-Team auf die Spiele von Salt Lake
vorzubereiten. «Diesen Schritt hätten meine Athleten nicht verstanden.»
«Seine» Sportler sprechen mit Hochachtung von ihrem Trainer, auch die fast
30-jährige Claudia Pechstein verzichtet nach 10-jähriger Zusammenarbeit nie
auf das «Sie» und die Anrede «Herr Franke». «Ich bin ein Trainer, der für
alles offen ist, der aber auch Distanz hält. Aus private Dingen der Athleten
halte ich mich heraus», nennt Franke sein Konzept. Dass diese Art unheimlich
ankommt, beweisen die E-Mails nach Salt Lake von der «alten Garde» und die
häufigen Besuche seiner Goldjungen Uwe-Jens Mey, Olaf Zinke und André
Hoffmann.
«Ich glaube, Herr Franke kennt mich besser als ich mich selbst», meint
Claudia Pechstein, die mit dem goldenen Hattrick über 5000 m am 23. Februar
nicht nur ihre Karriere, sondern auch die ihres Coaches krönen möchte. «Olaf
Zinke war mit seinem Olympiasieg in Albertville die größte Überraschung»,
bekennt er, möchte aber andere nicht zurück setzen. «Am kuriosesten war, wie
mir 1988 die von Ewalds Büro zu verstehen gaben: 'Mach dem Hoffmann klar,
dass er nicht als Tourist in Calgary ist.' Und dann gewann André. Das war
eine große Sache.»
Mit Abstand kritisiert Franke heute das gnadenlose Trainingssystem der DDR:
«Da wurden Potenzen verspielt, weil man auf Krawall auf Belastungen gesetzt
hat. Heute bin ich selbst meines Glückes Schmied, kann alles selbst
entscheiden - Hauptsache, ich habe Erfolg.»
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