Special Olympische Spelen

 

 

Olympische Spelen Salt Lake City - 5000 meter

 

Interview sport1.de

 

Salt Lake City - Mit ihrem Erfolg über 5000 Meter hat Claudia Pechstein Geschichte geschrieben. Als erste Eisschnellläuferin sicherte Sie sich zum dritten Mal in Folge den Olympiasieg über die gleiche Distanz.

Zudem ist die 30-Jährige mit vier Goldmedaillen die erfolgreichste deutsche Athletin bei Olympischen Winterspielen. Nach der Medaillen-Zeremonie in Salt Lake City sprach Sport1 mit der Berlinerin.

Sport1: Das ist bereits Ihr zweiter Auftritt auf dem Medals Plaza. Was ist das für ein Gefühl, wenn man vor zehntausenden Menschen geehrt wird?

Claudia Pechstein: Das Gefühl kann ich gar nicht beschreiben. Das ist einfach geil. Die ganzen Massen. Das könnte ich öfter haben.

Sport1: An was denkt man, wenn die deutsche Hymne gespielt?

Pechstein: Ich habe noch mal an den Lauf gedacht. Dass es schon wieder geklappt hat, das ist der Wahnsinn. Über 3000 Meter Gold, über 5000 Meter auch und insgesamt vier Olympiasiege, das ist unfassbar. Meine ganze Karriere lief noch mal wie ein Film ab.

Sport1: Sie haben heute Geschichte geschrieben. Als erste deutsche Athletin haben sie vier Goldmedaillen bei Olympischen Winterspielen gewonnen. Was bedeutet das für Sie?

Pechstein: Das ist sicherlich etwas ganz Besonderes. Aber in erster Linie freue ich mich, dass ich es geschafft, zum dritten Mal in Folge die 5000 Meter zu gewinnen.

Sport1: Wann haben Sie gedacht, dass es für Gold reicht?

Pechstein: Ich war bis zur letzten Zwischenzeit noch hinter Gretha Smit. Aber ich wusste, dass sie für die letzte Runde 34,77 Sekunden gebraucht hat. Und ich wusste, dass ich noch nicht ganz so "grau" war. Ich konnte noch eine schöne Rundenzeit laufen. Aber in welchem Zeitbereich ich lag, das wusste ich nicht. Ich bin dann nur ins Ziel und habe die Zeit gesehen und dachte Wahnsinn.

Sport1: Sie sind dafür bekannt, dass Sie ganz konstant laufen und sich bis zum Letzten quälen können. War das Rennen heute eine Qual?

Pechstein: Die letzte Runde hat schon weh getan. Aber sie war auch noch mal schneller als die vorletzte. Ich kann mich sicherlich quälen und ich kann auch sehr konstante Runden laufen. Aber es ist immer wieder schwer. Ich habe es heute geschafft, und ich bin wirklich gelaufen wie ein Uhrwerk. Ich habe schon gedacht, ich habe einen Computer im Bein.

Sport1: Nach dem Rennen sind sie mit einer schwarz-rot-goldenen Perücke über das Eis gelaufen. Wer hatte diese Idee?

Pechstein: Das war ein Plan meines Managements. Wenn ich die 5000 Meter gewinne, sollte ich sie aufsetzen. Ich wollte sie allerdings nicht selber mitnehmen, damit sie mir kein Unglück bringt.

Sport1: Was hat es mit den zwei kleine Kinderschuhe auf sich, die sie heute dabei hatten?

Pechstein: Die hat mir mein Mann mitgegeben. Das waren seine ersten Schuhe. Die sollten mir Glück bringen. Und wie man sieht, es hat ja auch geklappt.

Sport1: Mit Ihrem Sieg über 5000 Meter haben sie auch den internen Zweikampf um die deutsche Nummer eins gewonnen. Wie wichtig war Ihnen das?

Pechstein: Ich habe das nie als Zweikampf gesehen. Es gibt noch andere Damen im deutschen Team, die sehr erfolgreich waren. Wie beispielsweise Sabine Völker. Sicherlich habe ich mit zwei Goldmedaillen diesen ersten Platz eingenommen. Aber darauf möchte ich gar nicht bauen. Ich bin einfach froh über meine Leistungen und denke, dass man in erster Linie das Sportliche sehen muss.

Sport1: Anni Friesinger und Sie haben nicht nur um die gleichen Medaillen gekämpft sondern auch noch zusammen in einem Apartment gewohnt. War die physische Nähe Ihrer härtesten Rivalin für Sie ein Problem?

Pechstein: Ich war in der ganzen Zeit relativ wenig in unserem Apartment. Ich muss sagen, dass ich in der ganzen Zeit bis heute eigentlich keine langweilige Minute erlebt habe. Ich hatte immer etwas zu tun.

Sport1: Was gab es denn die ganze Zeit zu tun?

Pechstein: Beispielsweise haben wir allein jeden Tag zwei Stunden im Shuttlebus verbracht, der uns vom Olympischen Dorf zum Training bzw. zurück gefahren hat. Dann war ich im Game-Center oder im Internetraum. Dann quatscht man da mal, schaut sich dort was an. Da war immer wieder was los.

Sport1: Es ist also nicht so, dass Sie die Nähe zu Anni gestört hat?

Pechstein: Nein, überhaupt nicht. Wir haben uns zwar gesehen, haben uns sicherlich auch registriert, haben uns "Guten Morgen" und "Gute Nacht" gesagt, aber wir haben uns eigentlich nicht gestört. Es war jetzt nicht so, dass ich dachte, "Mist, jetzt wohnt sie nebenan, das ist ganz schön nah." So war das überhaupt nicht.

Sport1: Und jetzt wird noch richtig gefeiert?

Pechstein: Natürlich. Aber die richtige Party steigt erst, wenn ich wieder zu Hause bin.

 

 

     

 

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