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Special
Olympische Spelen

Claudia
Pechstein nach Goldmedaille auf Wolke sieben
Salt Lake
City (dpa) - Erst schlug sie ungläubig die Hände vors Gesicht, dann umarmte
sie die Erz-Rivalin: Claudia Pechstein hat in einem sagenhaften
Weltrekord-Rennen das große Prestige-Duell gegen Anni Friesinger für sich
entschieden und damit die deutsche Eisschnelllauf-Hierarchie auf den Kopf
gestellt.
«Das war so geil, ich kann es kaum glauben», prustete sie heraus, nachdem
sie ihren dritten Olympiasieg in 3:57,70 Minuten unter Dach und Fach
gebracht und dem deutschen Team in der letzten Entscheidung des Wochenendes
doch noch Gold beschert hatte.
«Jetzt brauch' ich erstmal ein Bier», meinte Weltmeisterin Anni Friesinger,
nachdem ihr die zweitplatzierte Niederländerin Renate Groenewold im letzten
Paar auch noch eine Medaille vor der Nase weggeschnappt hatte. Platz vier
war eine herbe Niederlage für die in dieser Saison über 3000 m ungeschlagene
Weltcupsiegerin. Sie hatte allerdings die schwere Aufgabe, eine Topzeit
vorzulegen. Dabei ging sie superschnell an, überpowerte aber auf den ersten
Runden, so dass im Schlussgang die Kräfte fehlten. «Das Rennen war zwei
Runden zu lang», brachte sie es auf den Punkt, nachdem sie auf den letzten
400 Metern 1,66 Sekunden auf die neue «Gold-Marie» eingebüßt hatte.
Gerührt kämpfte Claudia Pechstein am Abend bei der Siegerehrung auf der «Medals
Plaza» mit den Tränen. «Dort zu stehen, habe ich mir so gewünscht, seit ich
am Samstag Jens Boden dort beobachtet hatte», gestand sie. Begonnen hatte
der Tag mit einem EPO-Bluttest knapp drei Stunden vor dem Wettkampf, wobei
die Kontrolleure drei Versuche brauchten, ehe sie die richtige Ader
getroffen hatten.
Gefeiert wurde schließlich im Deutschen Haus, wo die Weimarer Gruppe «Rest
of Best» der Siegerin nach einer begeisternden Begrüßung ein Ständchen a
capella brachte. Die «Orgie» sollte sich jedoch in Grenzen halten. «Ich
werde mich nicht besaufen», meinte «Pechi» mit Blick auf ihre zwei weiteren
Rennen. Am 23. Februar, einen Tag nach ihrem 30. Geburtstag, winkt über 5000
m die vierte Goldmedaille. Damit könnte sie Karin Kania-Enke und Gunda
Niemann-Stirnemann als erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin beerben.
«Daran verschwende ich keinen Gedanken. Jetzt wird erstmal der Sieg
genossen», wehrte sie alle Spekulationen ab.
«Das war grandios, wie sie sich das Rennen eingeteilt hat. Das Gold tut der
Mannschaft gut - der Claudia und der Medaillenwertung», lobte NOK-Präsident
Walther Tröger. «Claudia war zunächst die Ruhe vor dem Sturm, dann ist sie
explodiert», zeigte sich auch Sportdirektor Günter Schumacher begeistert.
Verbandspräsident Gerhard Zimmermann dachte zunächst an die Unterlegene. «Ich
habe Anni schon im November gesagt: Es wäre gut, wenn sie einmal ein Rennen
verlieren würde. Schade, dass es gerade bei Olympia passiert ist», meinte
der Münchner. «Ich habe alle gewarnt und gesagt, das Trainingslager in
Calgary war nicht günstig. Die Berliner haben es richtig gemacht und sind
direkt in die Höhe von Salt Lake gekommen», erklärte Teamarzt Volker Smasal
die unterschiedlichen Formkurven der beiden deutschen Top-Stars.
Mit ihrem Traumlauf verbesserte die seit ihrem dritten Lebensjahr auf dem
Eis stehende Claudia Pechstein ihre Weltrekordmarke gleich um 1,56 Sekunden
und gewann zugleich die 50. Medaille für deutsche Eisschnellläufer bei
Olympia seit 1960. «Sie ist präzise wie ein Uhrwerk gelaufen», jubelte
Erfolgstrainer Joachim Franke und zeigte ungewohnte Emotionen: Erst stieß er
die Fäuste in die Luft, dann herzte er seine Lieblingsschülerin. «Jetzt wird
ihr Berlin zu Füßen liegen», fügte der Mann hinzu, der seit 1988 bei jeden
Olympischen Spielen einen Athleten zum Sieg geführt hatte. Als Glücksbringer
erwiesen sich dabei einmal mehr die Schlittschuhe, die ihm sein Schützling
Uwe-Jens Mey nach dem zweiten 500-m-Olympiasieg 1992 zum Geschenk gemacht
hatte.
Anni Friesinger, die sich im Vorfeld mit der Rivalin einige verbale
Scharmützel geliefert hatte, gab zu, dass Rang vier eine Enttäuschung sei,
versuchte aber locker damit umzugehen: «Immerhin habe ich meine Bestleistung
um 2,5 Sekunden verbessert. Jetzt will ich auf anderen Strecken zeigen, dass
ich in Form bin. Ich habe noch drei Chancen.»
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